Neue Platten

Gjunler Abdula & Parne Gadje - Bizoagor

Genre: Roma
Label:Smoked Recordings (Rough Trade)
CD, VÖ: - 20.10.2006

War das letzte Album „O Manus” von Parne Gadje aus Holland wegen seiner schwer einzuordnenden Stilmixtur aus Hungaro-Gypsy, Rembetiko, Tango, Balkan und mitteleuropäischem Alternative-Folk noch ein selten beachteter Geheimtipp, so haben wir es mit dem Folgealbum „Bizoagor” schon etwas leichter, denn hier wird Roma-Geschichte aufgearbeitet. Parne Gadje-Chef Marc Constandse hat sich für dieses Projekt mit Gjunler Abdula zusammengetan, einem wegen dem Bürgerkrieg aus Mazedonien geflohenen Roma, seines Zeichens Dichter, Schriftsteller, Journalist und Sänger. Eine überaus vielschichtige und geglückte Kooperation, denn selten haben sich so unterschiedlich gepolte Künstler so gut ergänzt. „Bizoagor“ ist fast ein „Spoken Word”-Album, zumindest hat es am Anfang so den Anschein, denn neben geheimnisvoll zusammengesetzten Soundcollagen und Handclaps ist es vor allem die rauhe Stimme Abdulas, die vor allem die ersten beiden Tracks und schließlich dann das gesamte Album prägt. Es geht um unbeantwortete Fragen, die Herkunft der Roma sowie Not und Leiden dieser Volksgruppe. Erst später schaltet sich die Constandse-Kombo in vollem Umfang dazu. Was sich dann entwickelt, ist Musikkultur auf höchstem Niveau. Bandoneon, Oud, Violine, E-Gitarre, Bass, Perkussion, eindringlicher Chorgesang und elektronische Effekte sorgen für dunkle Stimmungen, sehnsuchtsvolle Ausbrüche und melancholischen Melodiebögen zwischen Gotan Project, Django Reinhardt, Tom Waits und Mercan Dede. Und immer im Vordergrund Gjunler Abdulas Monologe in der Sprache der Roma, ein eindringliches und aufrüttelndes aber auch ein poetisches Werben um Verständigung. Eine ungewöhnliche CD, die tief unter die Haut geht, sofern man die Muße besitzt, sich für eine Dreiviertelstunde in eine andere Welt zu begeben.

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