Neue Platten

Laurent Coulondre - Gravity Zero

Genre: Jazz Rock
Label: o-tone Music (Edel Kultur)
CD; VÖ: - 22.09.2017

Das erste was einem durch den Kopf schießt, wenn man Laurent Coulondres Album „Gravity Zero“ an sich vorbeiziehen lässt: der Mann scheint den ganzen Tag nur Chick Corea, Weather Report, Crusaders oder ähnliche Jazzrockauthoritäten zu hören. Wohlgemerkt die Scheiben aus den späten 70ern, jungen 80ern, als Jazzrock in seiner Blüte stand. Dabei ist der Franzose gerade mal 30. Daran merkt man wieder einmal, dass alles irgendwann mal wieder aufgewärmt wird. Bei Coulondre kommt allerdings noch eine gehörige Portion frisches Ideenmaterial hinzu, was sich u.a. dadurch äußert, dass er auf diesem Album sich ausnahmslos Drummer als inspirierendes Gegenüber ausgesucht hat. Die meisten Anteile stammen von Martin Wangermée, mit dem Coulondre bereits das Album Schizophrenia eingespielt hatte. Die weiteren Trommler sind André Ceccarelli, Yoann Serra und Cyril Atef, allesamt Celebrities der französischen NewJazz- bzw. FusionJazz-Szene und zum Teil eine ganze Latte älter als der Protagonist himself. Ceccarelli beispielsweise stand schon mit John McLaughlin und Didier Lockwood auf der Bühne, Serra spielte lange Jahre beim Orchestre Nation de Jazz und Atef orientiert sich eher am Indie-Pop, wenn er mit Musikern wie Matthieu Chedid oder dem Gitarristen Louis Bertignac unterwegs ist.
Dass Coulondre trotz aller Rückspiegelarbeit (u.a. lockerer Swingjazz wie auf „Swing Pencil“ oder ein Keyboard à la Corea auf „Vamos Tio“) aber auch einen in die Zukunft gerichteten Blickwinkel verfolgt, erweist sich auf „Gravity Zero“ erfreulich oft. Vor allem die unterschiedlichen Drummer bringen immer wieder rhythmisch zündende Idee mit ins Spiel, was dem Retrosound etwas mehr aktuelle Geschmeidigkeit verleiht. Einen perkussiven Showdown hält der Mittelteil des Albums bereits: hier treffen alle vier Perkussionisten in wuseliger Entfaltung aufeinander.

www.laurentcoulondre.com