Neue Platten

Harry Marte - Little Prayers

Genre: Blues
Label: CrossCut Records (in-akustik)
CD; VÖ: - 22.10.2017

Ab und zu muss man eben auch in der Lage sein, alte Vorurteile mal beiseite zu schieben. So von wegen, Blues von Weißen ist meistens schlecht gemacht, dazu noch Musik von ewig Gestrigen und langweilig bis zum Abwinken. Wenn sich dann dann auch noch ein Alpenländer in dieses Terrain vorwagt, könnte gleich alles zu spät sein. Doch weit gefehlt, denn es gibt Harry Marte. Kommt aus Vorarlberg und hat so um die 6 Jahrzehnte Leben hinter sich. Wenn er dann auch noch auf diesem Album sein Konterfei als Totenmaske inszeniert, ist da natürklich auch etwas Ironie mit im Spiel. Dieser Harry Marte also stellt nun das Album „Little Prayers” vor, bei dem es laut Ankündigung um „Americana aus dem Alpengebirge” gehen soll. Vorurteilsbeladen wie man halt mal ist, macht man sich trotzdem mal ans Durchhören. Und siehe da, spätenstens nach der zweiten Nummer wird die Sache immer interessanter, bis man sich schließlich nach gut 50 Minuten eingestehen muss, der Mann und seine drei Kumpane haben schwer was drauf. Trotz einfachem Konzept und simplen Beats entfalten die elf Songs einen ungeahnten Tiefgang. Da ist zunächst einmal diese etwas rauhbeinige Stimme, die mit dem englischen Vokabular völlig akzentfrei-neutral und dazu noch sehr eindringlich umzugehen versteht. Eine Stimme, die weder gekünstelt noch verhuscht daherkommt, sondern nach melancholischer Wüstenweite klingt. Und auch Harrys Begleitband gräbt sich tief hinein in texanisch-mexikanische Landschaften: Marco Figini an den Gitarren, Chris Dahlgren am Bass und Alfred Vogel an den Drums, er ist auch gleichzeit der Produzent. Alle zusammen liefern hier ein packendes Blues-Album ab, das sich zwar auf das Nötigste beschränkt, gleichzeitig aber eine immanente Faszination ausstrahlt, und dadurch absolut glaubwürdig erscheint.

www.harrymarte.com