Neue Platten

Erika Stucky - Papito

Genre: AvantgardePop
Label: Traumton (Indigo)
CD; VÖ: - 27.11.2017

Nichts bleibt so, wie es war. Das Leben ist Veränderung. Das Dauermotto von Erika Stucky hat natürlich auch diesmal wieder gegriffen. „Papito” unterscheidet sich NATÜRLICH wieder gehörig vom Vorgängeralbum. Eine Konstante jedoch bleibt: die Liebe zur Coverversion. Und genau damit fängt „Papito” nicht nur an, sondern bietet einige schräge Schmankerl mehr aus dem weltweiten Fundus, in dem Erika so gerne stöbert. Zunächst aber muss einmal das neue Konzept dieser Platte gewürdigt werden. Und das bedeutet vor allem: neues Personal. Als Rahmengesellschaft hat die Schweizer Metzgerstochter Teile des Baseler Barockorchesters angeheuert, sieben Musiker an der Zahl (Violine, Viola, Violoncello, Bass Theorbe und Cembalo), die allen zwölf Stücken ein wunderbar massgeschneidertes Mäntelchen verpassen. Für die klanglichen Feinheiten sorgt zudem das Berliner Neubauten-Rumpel­stilzchen FM Einheit, genannt Mufti. Er schmeckt alle Kompositionen mit einer Vielzahl von elektronischen Gewürzmischungen ab, die seinen Soundvor­stellungen gemäß immer auch ein wenig düster und unheilvoll wirken, aber nie ins Negative ausarten. Das Tüpfelchen auf dem i jedoch ist das Miteinbeziehen des Countertenors Andreas Scholl, der mit seiner klaren und klassisch geschulten Opernstimme das genaue Gegenteil ist von Stuckys impulsiver und robust-vifen Ausdrucksweise. Zu guter letzt kann man sich noch am Artwork des Pappschubers erfreuen, wo erstmals Stuckys Vater als junger Knochenhauergeselle zu bewundern ist und beim Gruppenfoto ganz fein und verschämt ein ordentlicher Klumpen Fleisch den Fußboden ziert. Egal ob von Cole Porter, Randy Newman, Beatles, Lucio Dalla oder von Stucky selbst, alle Kompositionen sind erneut kleine Kunstwerke von dramatischem Ausmaß. Die Walliser Princess hat sich an Originalität wieder einmal selbst übertroffen.

www.erikastucky.ch


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