Neue Platten

Ornette Coleman - Sound Grammar

Genre: Jazz
Label:Sound Grammar (NRW-Vertrieb)
CD; VÖ - 30.10.2006

Wenn aus Jazz Free-Jazz wird, lassen viele Zeitgenossen die Jalousien runter. Nicht ganz zu Unrecht. Denn wenn ein Jazzer erst mal zur abendfüllenden Klangdestruktion ausholt, hat meist nur er was davon und das Publikum bleibt in der Regel verstört zurück, es sei denn der Hardcore-Zuhörer versteht diesen orgiastischen Ausbruch als hohe Kunst. Es ist oft schwer auseinanderzuhalten, was nun Virtuosität und was Schrott ist. Einige Ikonen des Jazz wandeln da auf einem schmalen Grat. Ornette Coleman ist einer von ihnen. Er revolutionierte schon 1960 (damals gerade mal 30 Jahre alt) die Szene mit atonalen Ausbrüchen, näherte sich dem rockigen Freefunk und schrieb orchestrale Werke. Heute, als angehender 80er, läßt er sich immer noch nicht davon abhalten, wild ins Horn zu stoßen, seine Geige und die Trompete zu malträtieren. Und doch ist „Sound Grammar“ ist in vieler Hinsicht etwas besonderes: das erste Album nach mehr als 10 Jahren und das erste Live-Album seit 20 Jahren, aufgenommen 2005 in Ludwigshafen. Coleman in Bestform. Begleitet von seinem Sohn Denardo am Schlagzeug und den beiden Bassisten Greg Cohen (Tom Waits, Elvis Costello, John Zorn) und Tony Falanga. Knapp eine Stunde voller Energie, Rhythmus und „Harmolodics”, wie Coleman seine Musik selbst bezeichnet. Für Freunde der Avantgarde ein Leckerbissen, Anhänger der reinen Harmonielehre werden da eher so ihre Probleme haben.

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