Neue Platten

Rachid Taha - Diwan 2

Genre: Medina Rock
Label:Wrasse (Harmonia Mundi)
CD, VÖ: - 17.11.2006

Rachid, die alte Kratzbürste, hat nach den Rock-Alben „Made in Medina” und „Tékitoi” wieder einen Retro-Ausflug zu den Wurzeln seiner Herkunft unternommen. War „Diwan” aus dem Jahr 1998 schon eine Art Rückbesinnung auf alte arabische Evergreens, die er gekonnt in neue Kleider gepackt hat, so ist „Diwan 2” nun die Fortsetzung dieser Nostalgie und eine Hommage an große arabische Komponisten zugleich, die in den 50ern und 60ern wegen ihrer Nonkonformität oft nur unter Pseudonymen agieren konnten. Das was früher zu seinen Kindheitserinnerungen gehörte, dann später in seiner Laufbahn durch Maghreb-Rock, Drum ’n Bass oder Surf überdeckt wurde, kommt jetzt wieder zunehmend an die Oberfläche. Musiker wie Mohamed Mazouni, Ahmed Wahby oder Dahmane El Harrachi hatten also offensichtlich doch mehr Einfluß auf Taha’s Unterbewußtsein, als er vielleicht selbst in seinen exzessiven Rock-Zeiten zugeben wollte. Man merkt, daß sich Taha auf diesem Terrain wohl fühlt. Er versteht es glänzend, aus kommunaler Folklore packende Song zu schustern, die einerseits nach Tradition, andererseits aber auch nach Modernität klingen. Hilfreiche Hände waren da schon immer seine Langzeit-Kumpels Steve Hillage, der auch hier wieder behende an den Knöpfchen der Programming-Maschinen gedreht hat und Hakim Hamadouche, der wie kaum ein anderer die rockende Mandolute beherrscht. Und auch mit u. a. Trompete, Kora, Qanun, Oud, dem Cairo String Ensemble oder großem Background-Chor werden diese 10 Songs wieder zu wunderbar schwebenden Klassikern der arabischen Unterhaltungsmusik, die man, wie zum Beispiel „Ecoute-moi Camarade” oder „Kifache Rah“ so schnell nicht wieder aus dem Kopf bekommt. Und selbst wenn das Duo Taha/Hillage zwei eigene Roots-Raï-Rock-Kompositionen dazwischen streut, fügen sich diese problemlos in das Gesamtkonzept dieses Albums ein.

www.rachidtaha.com