Neue Platten

Sam Prekop - Who’s Your New Professor

Genre: PostRock / Singer-/Songwriter
Label:Thrill Jockey (Rough Trade)
CD, VÖ - 07.03.2005

Was um Himmels Willen ist ein „PostRock/Singer-/Songwriter”? Wie passen zwei so unterschiedliche Stilrichtungen zusammen? Die Lösung des Rätsels ergibt sich aus der Arbeitsweise, die sich Sam Prekop für dieses, leider ziemlich kurze, aber dafür umso intensivere Opus ausgedacht hat: Alle Songs wurden zunächst instrumental angelegt, ganz im Sinne der Chicagoer PostRock Schule (vgl. Tortoise, Isotope 217, Jim O’Rourke) – so weit so gut. Im Nachhinein erst wurden 9 der 11 Aufnahmen mit Texten versehen und das hört sich dann eben an, wie wenn ein verträumter Hans-guck-in-die-Luft auf Chicagoer Art-of-Rock Ästhetik trifft.
Sam Prekop ist natürlich den Kennern der Szene nicht nur bekannt als Vorstandsmitglied der Gruppe The Sea And Cake, virtuose Indie-Popper mit dem Hang zum Spleen, er ist nebenher auch noch erfolgreicher Maler mit impressionistischen Vorlieben und Austellungen weltweit. Prekops musikalische Solo-Exkursionen jedoch beleuchten wie ein Spotlight das wahre Gesicht eines Künstlers, der Gitarrenarbeit nicht als schmückendes Beiwerk begreift, sondern aus der gekonnten Einfachheit die Tiefe seiner Songs bezieht. Diese strahlen trotz aller PostRock-Eigentümlichkeiten immer eine entspannte Wärme aus, eine lockere Unkompliziertheit, die dieses Album von der ersten bis zur letzten Minute zu einem sommerlich-luftigen Hörerlebnis macht. Inklusive kleiner Donnerwetter natürlich, wie er sie zum Beispiel auf „Dot Eye” eingebaut hat. Wie ein amerikanisierter Bossa beginnt dieses Stück, um dann im zweiten Teil fast unmerklich in eine Neil Young’sche Kratzbürtigkeit überzugegehen. Ein cooler Zwitter zwischen Weichei und Rauhbein.
Alles andere als rauhbeinig ist natürlich Sam Prekops dünnes Knabenstimmchen, das aber in seiner pastelligen Kopflastigkeit wunderbar zu der Klarheit seiner Songs paßt. Den Album-Titel verstehe allerdings wer will. Dazu müßte man wohl mit ihm ein paar persönliche Takte reden. Sicherlich nicht das verkehrteste, denn mit Leuten, die so ein elegantes Kunststückchen fabrizieren, trifft man sich gerne mal auf ein Tässchen Kaffee oder zu einer Ruderregatta auf dem Lake Michigan.

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