Neue Platten

Thomas Belhom - Cheval Oblique

Genre: Alternative Folk
Label:Apparent.extend (Hausmusik)
CD, VÖ - 15.02.2007

Eigentlich ist es ja bedauerlich, daß man bei manchen Platten – ohne daß man gleich ein Wahrsager sein muß – schon im Vorhinein sicher sein kann, daß da nix großes draus wird. Groß im Sinne von „chartsverdächtig”, Top-10-Anwärter” oder ähnlich albernen Popularitätskriterien. Andererseits ist das wiederum genau das Qualitätsmerkmal der Nischenmusik, die ja in den allermeisten Fällen so viel interessanter ist, als das „Formatradio“-Alltagsgedudele. Insofern genießt Thomas Belhoms Scheibe vom schrägen Gaul voll den Status der etwas sperrigen, aber liebevoll konstruierten Randgebietsmusik. Und wenn man sich die Historie dieses Menschen näher anschaut, wundert es auch wenig, warum das alles so wundersam, experimentell und doch angenehm wohlig tönt. Thomas Belhom arbeitete als Pyrotechniker mit den Fura dels Baus, musizierte mit seinem Kumpel Naim Amor in Tuscon/Arizona in der Staubfahne des Calexico-Sounds, tourt hin und wieder mit Stuart Staples von den Tindersticks, lebt jetzt wieder in Frankreich und ist im übrigen ein begnadeter Trommler vor dem Herrn, der von Jazz über Jon Hiseman bis Gamelan Perkussion alles drauf hat, was man sich nur vorstellen kann. Folglich ist „Cheval Oblique” ein rappelndes, rumpelndes, raschelndes Füllhorn an perkussiver Kreativität, versetzt mit allerlei Gastinstrumentarium wie Loop-Gitarre, Eierschneider, Kinderklavier, schnarchendem Akkoreon, Tuba-Bläsern und einsamen Banjos, sowie eingestreuten Feldaufnahmen z. B. aus einer Bäckerei im französischen Grandville. Bauklötzchen-Beats für alternative Chiller könnte man es auch nennen. Wer einen gewissen Bo Hansson (Magician’s Hat) im Vinyl-Regal stehen hat, weiß was ich meine. Ein kleiner Leckerbissen für Liebhaber des musikalischen Patchworks.

www.apparent-extend.com