Neue Platten

WDR Bigband - Jazz Al’Arab

Genre: Arab/Jazz
Label:NRW-Records (NRW Vertrieb)
CD, VÖ - 06.04.2007

Eine gestandene Radio-Bigband macht einen auf Weltmusik. Wie geht das und vor allem: kann das gut gehen? Ja, es kann und sogar ziemlich unpeinlich. Jazzer (auch die Bigband-Jazzer) stehen allenthalben im Ruf, dank ihrer umfassenden musikalischen Bildung einem Chamäleon gleich, sich verschiedenen stilistischen Umständen anzupassen. Man muß sie nur ordentlich briefen, ihnen ein paar passende Beispiele an die Hand geben, ihnen die Freiheit der Improvisation wieder zurückgeben und nach Möglichkeit Personen einer bislang mehr oder weniger fremden Kultur hinzufügen und schon kann das Abenteuer beginnen. In unserem Falle fand das Ganze im Jahre 2006 in der Kölner Philharmonie statt, live und ohne doppelten Boden, dafür wie es sich nach alter Tardition gehört, die Musiker hinter ihren adretten WDR-Bigband-Köln-Notenständerchen. Davor und dazwischen die in einschlägigen Kreisen bekannten Vokalisten/Perkussionisten Karim Ziad, Aziz Sahmaoui, Mehdi Askeur, Rhani Krija sowie der Mann mit dem Taktstock Michael Gibbs. 75 fette Minuten lang arabischer Bigband-Sound, ausladende Soli, jede Menge arabische Kehl-, Rachen- und Roll-Laute, rappelende Gnawa-Drums, klackernde Shaker, dickes Gebläse und beste Stimmung im Publikum. Tracks mit bis zu 13 Minuten Spielzeit sind da keine Seltenheit und ein sicherer Hinweis darauf, daß sich alle Beteiligten ziemlich wohl gefühlt haben mußten. Einzig Olivier Peters, der Ewi-Solist übertreibt es ab und an ein wenig mit seinen sicherlich ungewollt billig klingenden Improvisations-Einlagen. (Das Ewi ist – das nur am Rande – ein lippengetriebener, elektronisch-synthetischer Blaswandler.) Dennoch bleibt zu konstatieren: Experiment geglückt, Platte zum Kauf empfohlen.

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