Neue Platten

Frankie Valentine - The World Of What

Genre: World Lounge
Label:Sunshine Enterprises (Soulfood)
CD, VÖ: - 06.04.2007

Eine Platte, die einen erst mal gehörig auf den Holzweg führt, schaut man sich das Cover bzw. das Label an oder examiniert den Künstlernamen. Vermutungen in Richtung Retro-Crooning à la Louie Austen erweisen sich als genauso falsch wie die Annahme, es handle sich hier vielleicht um ein weiteres Produkt alpenländischer Popmusik. Wahr ist, daß es sich hier um ein quasi Crossover-Machwerk handelt, das zwischen Istanbul, Bahia/Brasilien, Wien und London gemächlich hin und hermäandert, sich zwischen WorldBeats, Diskokugel und Lounge bewegt. Und Frankie Valentine ist auch kein ordinärer Musiker, der ein ganz bestimmtes Instrument bearbeitet, sondern er ist Londoner Produzent, DJ und Arrangeur (u.a. tätig beim Tokyo Offshore Project), der eine Stil- und Bandbreite für seine Musik in Anspruch nimmt, die ihresgleichen sucht, vielleicht gerade noch irgendwo vergleichbar mit dem Spektrum eines Goran Bregovic, allerdings ohne jegliche Balkan-Roots. Dafür ist Portugiesisch das vorwiegende Idiom auf dieser CD, zu mindest auf den ersten 4 Tracks. Man hört zum Beispiel beste brasilianische Mundart, u.a. von Monica Vasconcelos, der Tochter des berühmten Nana oder dem Chor der Capoeira Group Praia do Forte, man vernimmt aber auch andernorts ein türkisches Streichorchester, den Istanbuler Tastenmeister namens Tulug Sabri Tirpan oder östereichische Musiker der Wiener Szene wie Pogo Kreiner (Madrid de los Austrias), den Wiener Jazzpianisten Dieter Kolbeck oder die Ex-Goisern-Alpinkatze Zabine. Wie das alles zusammen geht: Mit sehr viel globaler Entspanntheit und einer noch größeren musikalischen Offenheit für alles, was interessanten Sound macht. Von Joe Zawinul über Vangelis-Rock und Türkpop bis hin zum Capoeira-Sound und gepflegtem Abhänger-Chill. Selten ein so stilvolles und gut funktionierendes Durcheinander gehört.

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