Neue Platten

Klimek / Heil - Sophie Scholl – Die letzten Tage

Genre: Soundtrack
Label:Normal (Indigo)
CD, VÖ - 28.02.2005

Es gibt da so ein paar „geschichte-aufarbeitende“ deutsche Filme, bei denen weiß man nicht so recht, braucht man sie oder braucht man sie nicht. Das war beim „Wunder von Bern“ so und erst recht bei „Der Untergang”, und nun, bei „Sophie Scholl” stellt sich erneut die Frage: wozu der filmische Aufwand. Um Schülern die Gelegenheit zu geben, Versäumtes aus dem Geschichtsunterricht nachzuholen, um einer zweifellos super-begabten Schauspielerin eine Paraderolle auf den Leib zu schneidern oder um (bei diesem Thema eher fragwürdiges) Emotionskino zu veranstalten? Rechte Konsorten pfeifen auf diesen Streifen, wer die richtige Denke im Kopf hat, findet ihn vielleicht entbehrlich und wer sich aufwühlen lassen will, der reise besser nach Polen bzw. Auschwitz, dort weht der Hauch der Geschichte authentischer und greifbarer.

Was für den Film gilt, gilt ähnlich auch für den Soundtrack. Welche Funktion hat er? Für die, die im Kino waren, ist er sicher eine Gedankenstütze, um sich an einzelne Szenen zu erinnern. Wer den Film nicht kennt, hat da schon größere Akzeptanz-Schwierigkeiten. Billie Holiday, Schuberts Forellenquintett und Ella Fitzgerald sind die einzig echten historischen Fixpunkte, die man zu Gehör bekommt. Dazwischen etwas Gert Wilden und Willi Stanke und die restlichen 31 Minuten stammen aus der Feder von Reinhold Heil (früher Spliff und Nina Hagen Band) sowie dem in Berlin lebenden Australier Johnny Klimek. Beide produzieren heute Filmmusiken am Fließband. Tom Tykwer ist einer ihrer Hauptabnehmer, aber auch Marianne Rosenberg und die Tatort-Serie zählt zur Klientel von Heil. Für den Scholl-Soundtrack greifen die beiden ganz kintopp-mäßig in Zusammenarbeit mit dem slowakischen Radiosymphonieorchester und mit Hilfe der Ars Electronika beherzt in die Trickkiste.
Bedrohlichkeit, Trauer, Schmerz, Furcht, Todesangst werden profimäßig zu Klangflächen und Pianoetüden verarbeitet, die im Film vielleicht ihre Berechtigung haben, ohne Bilder stehen sie jedoch recht austauschbar im Raum und wirken zudem durch ihre Knappheit wie unvollendete Kurzgeschichten. Stellt sich also die Frage, ob die Bemühung von pop-belasteten Filmmusikkomponisten da der richtige Weg war. Ein Klassiker wie Henryk Górecki hätte dem Streifen zweifellos besser gestanden.

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