Neue Platten

Axel Krygier - Zorzal

Genre: Crossover
Label:HiTop (Soulfood)
CD, VÖ: - 25.05.2007

Wieder mal eine Platte, bei der man nicht so recht weiß, wo man sie hinstecken soll. Und genau diese Dinge interessieren uns ja bekanntlich am meisten. Hier also einige Eckdaten, damit wir nicht so verloren im Raum stehen: Axel Krygier stammt aus Buenos Aires, ist ein guter Kumpel von Gaby Kerpel, einem ähnlich schrägen Vogel vom Rio de la Plata – vielleicht kennt der eine oder andere seine nette CD „Carnabailito“. Krygier ist Multiinstrumentalist (u.a. Akkordeon, Piano, Saxophon, Flöte), ist in der Cumbia oder der Andenmusik genauso zuhause wie wie im Dub, Funk, Tango oder Jazz. Ein echter Tausensassa eben. Und solche sind uns wie gesagt am liebsten. Seine CD „Zorzal“ (i.e. ein in Südamerika allseits bekannter Zwitschervogel) ist wie eine vollgepackte Wundertüte. Jeder Track ist woanders zuhause. Spacige Keyboards, unterbrochen von Scratch-Samples und undefinierbaren Synthieläufen, begleiten ihn z. B. durch märchenhafte Chanson-Landschaften, ein schräges Duett mit seiner Schwester ist einigen Kompositionen aus der CocoRosie-Ecke nicht unähnlich, melancholische Streicher, Vibraphon und antiquarisch wertvolle Altherrenvocals verbreiten filmreife Schwarzweiß-Atmosphäre, schwerfälliger Sprechgesang mit Mariachi-Bläsern und Magengruben-Bass versetzen einen auf eine schummerige Kleinkunstbühne in la Boca, Zirkus-Orgel und Quäktrompete sind Hinweise auf einen Hang zum fahrenden Volk. Axel Krygier macht das, was man bisher nirgends wo sonst zu Gehör bekommt: intelligente Patchworkmusik, weit ab von jedem Mainstream, eine Erlebnisreise durch ein Sound- und Klanguniversum, das man nur entwickeln kann, wenn man profunde Kenntnisse hat, viel rumgekommen ist und seine Scheuklappen auf den Müll geworfen hat. Eine Platte, die Jimi Tenor sicher gerne selbst gemacht hätte, aber in dieser Genialität nie hinbekommen wird.

www.axelk.com