Neue Platten

Dzihan & Kamien - Fakes

Genre: Club / Lounge / Jazz
Label:Couch Records (Sony)
Doppel-CD, 3 LP, VÖ - 25.02.2005

Vieles im Musik-Biz ist Beschiss, aber dieser Ösi-Doppler nun ganz bestimmt nicht. Die Wiener Couch-Records-Betreiber Dzihan & Kamien haben nach der coolen 2002 „Gran Riserva” mit „Fakes” nun eine neue, hochprozentige Edition nachgelegt, die nicht nur wohl bekommt, sondern auch noch überrascht. Zweigeteilt empfiehlt sich dieses Werk nämlich sowohl dem fortgeschrittenen Club-Menschen, als auch dem State-of-the-Art Jazzgenossen. Aber immer schön der Reihe nach.
CD 1: Bekanntermaßen haben sich die beiden ja schon seit längerem in der Remixer-Champions-League einen hoch dotierten Logenplatz erworben. Vlado Dzihan und Mario Kamien betreiben die hohe Schule der originalnahen Umarbeitung mit der Virtuosität eines Urhebers. Denn was auf ihren Festplatten entsteht, übertrifft nicht selten die Güteklasse der Mutterfassung und feiert auf wundersame Art eine erstaunliche und oftmals autonome Wiedergeburt, die mit Dancefloor-Spezifica genauso perfekt jongliert, wie mit relaxter Liegesitz-Entspannung. Nur so ist es zu erklären, daß einem z. B. ein wohlbekannter Billie-Holiday- oder Gainsbourg/Birkin-Klassiker dank eines sportlichen D & K-Peelings plötzlich um Jahre verjüngt gegenübertritt. Aber auch den Spezln der eigenen Zunft, wie der Wiener Tosca Posse, hat man schnell ein Update ans Bein genagelt, das vor gegroovter Hippness nur so knistert. Fazit: Teil 1 ist bester Afghane – zwölf Züge, ein Flash.
CD 2: Aber jetzt. Wer denkt, er kann sich weiterhin so zeitgemäß trendig einnebeln, der täuscht sich. Teil zwei ist etwas für den stilvollen Restaurator. Old School Jazz nach alter Väter Sitte, ganz wie es die Daddies den Sohnemännern einst vorexerziert haben. Gran-Riserva-Material in völlig neuem Outfit. Das „Brut Imperial Quintet” dreht die Vorzeichen einfach um, und dängelt bekannte Dzihan & Kamien-Artworks für den Jazzclub zurecht. Oft nur mit Mühe kann man alte Fäden wieder aufnehmen, aber das bedeutet eben auch, die Ehrfurcht lebt, das was in der Vergangenheit passierte, ist nicht vergilbt und war nicht vergebens. So läßt sich der Clubmensch wieder gerne an die alte Schule heranführen, die sich bei näherem Hinhören tatsächlich keineswegs als unspannend herausstellt. Ein kluger Schachzug von Dzihan & Kamien und gleichzeitig eine Verbeugung vor ihren Vätern, die sich nun schulterklopfend sagen können: Mission accomplished.

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