Neue Platten

Martin Peter - Enough Of This?!

Genre: ElektroPunk
Label:Angora Steel (SPV)
CD, LP, VÖ - 21.03.2005

Wer monokulturell unterwegs ist, der muß mit der ständigen Furcht vor dem großen Knick leben. Das sagte sich auf der Zuckerinsel schon der schlaue Cubaner und schickte fortan seine Musiker um den Erdball, um ein zweites Standbein zu belasten. Die an den Haaren herbeigezogene Münchner Parallele hierzu heißt Compost. Das fleißige Label von Michael Reinboth belieferte jahrelang die Clubszene mit hochprozentigen Produkten zwischen Downbeat, NuJazz und Lounge, vernachlässigte aber lange Zeit die große Jugendleidenschaft des Chefs, der zu seinen Sturm- und Drangtagen ein wilder New Waver war und speziell mit dem Elektropunk liebäugelte. Jetzt hat diese Form der EBM im Hause Compost endlich eine eigene Plattform gefunden und trägt den schönen Namen Angora Steel. Nägel wurden da gleich mit Köpfen gemacht, wie es scheint, denn schon das extra in New York gefertigte spitzige Logo unterscheidet sich prägnant vom biederen Compost Typeface.
Der Mann, der dem neuen Label mit dem schönen Kürzel ANGST nach diversen 7- und 12 Inches den ersten Vollplayer beschert hat, heißt Martin Peter und kommt – wir haben es schon vermutet – aus München. Als alter Recke der Industrial- und Wave Szene hat er sich im Laufe der Folgejahre zu einem Marathon-Läufer in Sachen Elektro-Djing entwickelt und schreitet mit dieser Debut-CD nun zu einer kracherten Tonträger-Eigeninitiative. Wie nicht anders zu erwarten, gibt der Maddin auf „Enough Of This?!” gleich mal richtig Gas. Mit einem Rockabilly Punk Shoutout wird diese Scheibe standesgemäß eingeläutet, damit ein jeder auch gleich weiß, wohin der Hase hoppelt. Aber gottseidank bleibt es bei diesem einen Schreikrampf.
Schon mit dem Einsetzen des zweiten Tracks wird die Chose wesentlich griffiger, sprich kompositorisch elaborierter. Trotz markigem Tracklisting wie „Psychoville” oder „Killerstrip” liebäugelt Peter mit der Harmonie von launiger Instrumentalmusik, die sich zwischen Acid-Brit-Pop, Metal und Breakbeats gewegt und knarzenden Vokalnummern, bei denen Herrschaften wie Alec Empire, der britische Avantgarde-Punker Mark Stewart oder Martins Langzeitkumpel Felix Neuenhoff ins Mikro krächzen. Und je mehr Zeit man mit diesem knuffigen ElektroWave Album verbringt, desto mehr erinnert man sich an die alten Tage, da Cure, Siouxsie, Soft Cell, Front 242 oder Cabaret Voltaire das Maß aller Dinge waren. Waren eigentlich gar nicht so übel, die Zeiten damals. Genau wie dieses Album.

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