Neue Platten

Zulya - The Waltz Of Emptiness

Genre: Russian NeoFolk
Label:Westpark (Indigo)
CD, VÖ - 21.03.2005

Wer die letzten drei Alben der in Australien lebenden Exil-Russin Zulya kennt, wird über das vierte überrascht sein. Waren ihre Lieder in der Vergangenheit sowohl instrumental als auch sprachlich geprägt von einem kulturellen Mischmasch, der sich vorwiegend aus nordeuropäischen, afrikanischen und asiatischen Komponenten sowie aus Elementen ihrer russischen Heimat Tatarstan zusammensetzte, findet der „Waltz of Emptiness” nun komplett im Moskauer Untergrund statt. Mit ihren neuen Musikern, den „Children of the Underground”, hat sich Zulya Kamalova nun endgültig von Daumenklavier, Kora und ähnlich exotischen Instrumenten verabschiedet und hat statt dessen nicht nur diverse Feldaufnahmen aus der Moskauer Metro in ihre Songs mit eingebaut, sie singt nun auch durchgehend auf russisch. Ein Umschwung, den man nur begrüßen kann, denn obwohl ihre letzte CD „Elusive” zum Weltmusikalbum 2003 gewählt wurde, war für mich dieses Werk sicher ganz nett anzuhören, doch in seiner gebotenen Fülle nicht unbedingt schlüssig.
„The Waltz of Emptiness” dagegen kommt wie aus einem Guss und vor allem verbreitet diese Platte einen unwiderstehlichen Zauber, den man noch viel besser verstehen kann, wenn man der russischen Seele schon einmal etwas näher gekommen ist, sprich das Land zwischen Dnjepr und Ural schon einmal bereist hat. Melancholie, Ausgelassenheit, Wehmut, Romantik – all diese Gefühle sind zwar universell, existieren in Russland aber ungleich konzentrierter als anderswo und genau diese Emotionsverdichtung macht diese Platte so unvergleichlich und berührend.
Die musikalische Leichtigkeit in Verbindung mit der klangvollen russischen Sprache ist der rote Faden, der von der ersten bis zur letzten Minute alles zusammenhält. Zulyas Musiker, vorwiegend aus Australien, haben sich mit erstaunlichem Einfühlungsvermögen in die Kompositionen eingebracht, Bassklarinette, Akkordeon, diverse Blasinstrumente, Balalaika und eine feine Auswahl an Perkussionsinstrumenten ergeben zusammen mit Keyboards und Gitarren eine geschmeidige Basis, auf der sich Zulya mit ihrer unvergleichlich weiblichen Stimme voller Leidenschaft bewegt. Wer solche Zeilen als zu euphorisch und übertrieben empfindet, dem rate ich erst recht, sich die Platte zu besorgen, denn spätestens nach dem ersten Hördurchgang will man diese Scheibe nicht mehr missen. Tatsache.

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