Neue Platten

Tunto - Tunto

Genre: ElectroJazz
Label:Aani Records (Rockadillo Records, Finnland)
CD, VÖ - 10.10.2004

Unsere elektronische Buschtrommel von und nach Finnland funktioniert in der Regel eigentlich immer ganz ausgezeichnet, nur diesmal hatte wohl Väterchen Frost ein paar Schaltstellen lahmgelegt und so erfahren wir erst jetzt bei frühlingshaftem Tauwetter von einer Band, deren Debutalbum bereits letzten Oktober bei den Suomis herauskam. Macht aber nix, denn diese Scheibe hat bislang eh noch keinen deutschen Vertrieb gefunden, ist folglich hierzulande auch nur über diplomatische Kanäle oder das Gepäck einreisender Finnen erhältlich.
Ohne jegliche Farbstörung optisch einprägsam in schlichtem Grau gehalten, ist die Platte auch für den sporadischen Plattenladenbesucher leicht erkennbar und dank einer naheliegenden Verbindung zwischen Wort und Geist vor allem auch leicht ertastbar, denn „Tunto”, der Name der Band, haftet in Form kleiner Knubbel als durchsichtiger Aufkleber in Blindenschrift auf dem Cover. Tunto heißt Fühlen.
Nach diesem Exkurs in finnische Etymologie zurück zur Platte. Petri Heimonen, Jyri Terämaa und Matti Wallenius bewegen sich im Fahrwasser des hinlänglich bekannten finnischen Musikalien-Aushängeschilds Rinneradio, die unter der Leitung von Tapani Rinne schon Anfang der 90er den Fusionbetrieb zwischen programmierter Elektronik und jazziger Spielfreude aufgenommen hatten. Die in letzter Zeit immer häufiger auftretenden Ausflüge Rinneradios in den Dancebereich haben Tunto allerdings außen vorgelassen, sie konzentrieren sich mehr auf die klangvolle Umsetzung nordischer Gelassenheit, wobei auch hier und da ein kleiner Schelm zum Vorschein kommt. „Swamp Music”, so der fünfte Track dieser CD, ist nicht etwa eine behäbige oder nur zäh vor sich hinfließende Ode an finnische Sumpflandschaften, sondern erinnert eher an ein polkatanzendes Qietsche-Entchen, dem eine Schrammelgitarre ordentlich Beine macht.
Weitaus weniger volkstümlich vollziehen sich die restlichen 9 Stücke. Breakbeats, seltsame Atemgeräusche sowie programmierte bzw. orientalische Live-Perkussion bilden die subtile Basis für Heimonens Woodwind-Exkursionen, die ganz im Stile polarkreisiger Eindringlichkeit gehalten sind. Und die teilweise schrägen Töne aus Walleniussens E-Gitarre komplettieren schließlich einen Sound, der einerseits sehr trendbewußt ist, andererseits eindeutige Rückschlüsse auf eine traditionsbezogene Jazz-Pädagogik zuläßt. Finnland ist also wieder einmal ziemlich weit vorne. Nur manche Vermarktungsstrategien müßten noch etwas getunt werden.

www.rockadillo.fi