Neue Platten

Peppino D’Agostino & Stef Burns - Bayshore Road

Genre: JazzRock Guitar
Label:Favored Nations (Rough Trade)
CD, VÖ - 28.03.2005

Zwei die sich scheinbar gesucht und gefunden haben: Peppino D’Agostino, zu Ruhm und Ehren gekommener amerikanisierter Gitarren-Autodidakt italienischer Abstammung, rastloser Autor von Gitarrenlehrbüchern und Mitglied des World Guitar Ensembles, der vorwiegend mit einem hölzernen Akustikteil unter dem Arm unterwegs ist und Stef Burns, vielbeschäftigter Studio- und Tour-Musiker zwischen Sheila E., Michael Bolton, Alice Cooper und Huey Lewis, der am liebsten mit seiner elektrischen Fender ins Bett geht. Wenn sich zwei solche Typen kennenlernen, artet das nicht nur in endlose Fachsimpelei aus, sondern endet nicht selten auch noch mit einer gemeinsamen Studioproduktion. „Bayshore Road” ist daher ein kleiner Gitarren-Gipfel made in California, dort wo Westcoast-Rock und Jazz-Gitarre gerne miteinander kuscheln.
Wie sich unschwer aus der Vita der beiden erkennen läßt, gehören sie nicht eben zur experimentierfreudigen Grenzgängerfraktion, die ihr Arbeits-Gerät zur Herstellung von Lärmkunst benutzt, sich in flirrenden Polarkreis-Loops verliert oder mit künstlichen Kubanern fusioniert. D’Agostino und Burns sind eher der Liga der all-american Mainstream-Guitarpickers zuzurechnen, bei der gerne ein Paco de Lucia, ein Jeff Beck oder auch Bands wie Kansas oder die E-Street Band auf den Plattentellern kreisen.
Folglich wird hier die Masse zwar mit professioneller Klasse bedient, die Innovation oder gar die Reibungskräfte genialer Gitarrenexotik fallen aber hinten runter. Hier ein Zuckerl, da ein Zuckerl, dazwischen ein wenig brasilianische Romanze und eine wenig beeindruckende Zawinul-Coverversion, fertig ist das American Dinerfood.
Da nutzt es auch wenig, wenn alle klanglichen Register der Elektrischen gezogen werden, flinke Finger über das Griffbrett der Akustischen huschen und Begriffe wie „electric folk” oder „distorted rock edges“ bemüht werden. Virtuosität besteht eben nicht nur darin, Leo Kottke mit Carlos Santana zu kreuzen, sondern auch aus dem Mut, die konventionellen Pfade meistbietender Publikumsakzeptanz zu verlassen. Der fünfspurige Highway läßt grüßen.

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