Neue Platten

Baba Zula - Kökler (Roots)

Genre: Türkei
Label:Doublemoon (Rough Trade)
CD, VÖ: - 09.11.2007

Selbst bei den türkeilastigen Radio-Weltmusik-Spezialisten im WDR-Funkhaus Europa dürfte es diese CD aus Istanbul schwer haben, eine ordentliche Rotation zu erreichen. Nicht weil „Roots” von Baba Zula so schlecht wäre, nein, im Gegenteil: weil sie so speziell ist. Die Veteranen der türkischen Fusion-Music, Murat Ertel, Levent Akman und Cosar Kamçi, die schon in den späten 60ern ihr ganz eigenes Ding gedreht haben, begeben sich mit „Kökler“ (Wurzeln) teilweise und ganz bewußt wieder zurück zu jenen Tagen, als in der Türkei westliche Rockmusik erste Reaktionen hervorrief und nur einige wenige überhaupt wußten, wer Jimi Hendrix oder Janis Joplin waren. Baba Zula experimentieren mit der türkischen Musikkultur: traditionelle Instrumente wie Saz oder simple Holzlöffel sind wesentliche Bestandteile des aktuellen Sounds, moderne Errungenschaften wie Verstärker, Tonabnehmer, Echo-Chamber oder Sampletechnik kommen hinzu. Neue Herangehensweisen an altes Wissen führt zu Stilbrüchen und dem sogenannten Oriental Dub, zum türkischen Underground von Baba Zula. Das alles ist nun auf „Roots” zu hören. Nur wenige Stücke sind ausgewachsene Songs. Vieles bleibt im Soundschnipselformat oder bei kurzen Klang-Episoden unter der 2-Minuten-Grenze. Weltmusikradiotaugliche Songs wie das „Eternal is the Word of Poet” mit viel Pferdegewieher und den türkischen Vocals der Kanadierin Brenna MacCrimmon oder das dubgeschwängerte „If I Love, they kill me, if I don’t, I’m dead“ sind die Ausnahme. Trotz ist „Roots“ ein ziemlich spannendes Album, weil es sich konsequent herkömmlichen und altbekannten Trends aus der Türkei entzieht.

www.babazula.com