Neue Platten

Rob Balducci - The Color Of Light

Genre: Guitar Rock
Label:Favored Nations (Rough Trade)
CD, VÖ - 01.04.2005

Nur wenige Gitarristen beherrschen die martialische Spielweise eines Rob Balducci. Der Exzentriker aus New York mit den schwarz lackierten Fingernägeln, bearbeitet sein Gerät mit der Extrovertiertheit eines Exhibitionisten und scheinbar ist es ihm dabei ziemlich wurst, welchem Zeitgeist er damit huldigt. Denn nur so kann er es sich heute ohne weiteres leisten, Pasttime-Heroes wie Joe Satriani oder Jeff Beck mittels seiner Veröffentlichungen seine Ehrerbietung zu bezeugen, obwohl diese vielleicht gerade noch unter den Anhängern der Hardcore-Fraktion uneingeschränkte Reputation genießen. Instrumentale Gitarrenmusik als Ausdruck einer aggressiven Soloimprovisation, auch wenn sie wie im vorliegenden Fall perfekt vorgetragen wird, spielt heute jedenfalls nur noch eine Rolle unter „ferner liefen …”.
So sind denn auch die 70 Minuten Rob Balducci irgendwie das etwas antiquiert wirkende Spiegelbild einer in den 70ern stehengebliebenen Entwicklungsstufe, wie man das auch in ähnlicher Weise von in die Jahre gekommenen Motorrad-Gangs kennt, die vermutlich noch bis an ihr Lebensende alte Easy-Rider-Zeiten konservieren wollen. Stevie Ray Vaughan war ein ähnlich gelagerter Gitarren-Fall, doch war dieser wenigstens noch in der Lage, in seine Blues-Interpretationen ein ungleich breiteres und auch gefühlvolleres Ausdrucks-Spektrum einzubauen, als dies bei Balducci der Fall ist. Zu offensichtlich wird im Booklet versucht, immer gleich klingende „heavy stuff”-Nummern mit Hilfe von intellektuell gestelzt wirkenden Vergleichen mit der bildenden Kunst oder esoterisch anmutenden Lebensweisheiten voneinander zu unterscheiden. Beispiel: Balduccis Bemerkungen zu „R U Divine”. „I feel we are all Divine and have the power within ourselves to heal what is broken and feed the starving”.
Ich für meinen Teil jedenfalls kann mit dieser amerikanischen Pseudo-Philosophie herzlich wenig anfangen, genauso wenig wie mit der zum Markenzeichen erhobenen „speed of light”-Gitarrentechnik, die, obwohl immer das Gegenteil behauptet wird, über die gesamte Distanz einen kalten und sterilen Eindruck macht. Kurz gesagt: spätenstens nach der dritten Nummer wird diese Platte einfach nur langweilig.

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