Neue Platten

Neigungsgruppe - Good Night Vienna

Genre: Wien Alternativ
Label:Trikont (Indigo)
CD, VÖ: - 10.11.2007

Wer bei dem Stichwort „Wien” immer nur ans Kaffeehaus, Hans Moser, die Hofreitschule oder die Philharmoniker denkt, kennt den Geist dieser Stadt nur von seiner Schokoladenseite. Wien besteht aber auch aus Pråterkåtzn, Hundstrümmerl, Aufdrahra, Kiebara oder Peitscherlbuam. Aus der sogenannten „Gegenkultur” des Proletariats also. Und die ist um Einiges ehrlicher und direkter als das gängige Touristen-Klischee, aber auch lauter, zotiger und klebriger. Eine der charakteristischsten Erscheinungsformen dieser Kleine-Leute-Kultur ist das Wiener- oder Heurigenlied, das meist Weinerlichkeit, Selbstmitleid, Liebesschmerz, Todessehnsucht oder Alkoholexzesse zum Inhalt hat. In diesem Gefühlsstrudel suhlt sich der Wiener am liebsten. Experten auf diesem Gebiet gibt es da viele. Selbst bei FM 4, dem Wiener Jugendsender, sitzen einige Moderatoren, deren Herz für diese subkulturelle Sumpflandschaft schlägt. Und was liegt da näher, als das profunde Wissen um die musikalische Alternativszene mit dem Wiener Anti-Geist zu verzahnen. Christian Fuchs, Fritz Ostermayer, David Pfister und Robert Zikmund nennen sich „Neigungsgruppe Sex, Gewalt & Gute Laune” und haben sich in einem Anfall von genialer Musikrecherche, humorvoller Herangehensweise und persönlicher Identitätsfindung 11 Songs auserkoren, die kompositorische Quertreiber wie Pete Doherty, Conor Oberst, Tom Waits, Nick Cave, Trent Reznor oder Tex Perkins auf das Wiener Parkett holt, sie verwienert und so zu „Heurigen-Agenten” macht. „Goodnight Vienna” könnte gut als Soundtrack zu dem Kultstreifen „Hundstage” von Ulrich Seidl durchgehen. Wenn es um „Luada“ geht, ob man „G’fickt für immer” ist, der Schädl hängt oder der „Hoss in mia” aufkommt – alle diese Songs verbreiten ausnahmslos ein schaurig-schönes Stimmungsbild, wie man es in dieser Konzentration sicher nur in Wien antreffen kann.

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