Neue Platten

The Rough Guide To Irish Music Vol. 2 / The RG To Boogaloo - (V. A.)

Genre:
Label:World Music Network (edel contraire)
CD, VÖ - 04.04.2005

Mein erster Rough Guide war eine dicke Schwarte über Schottland, die mir den Weg zu fast jeder Whiskey-Destillerie in den Highlands wies. Von der Existenz der Rough Guide CD-Serie dagegen bekam ich erst sehr viel später Wind. Die Menge dieser musikalischen Reiseführer geht mittlerweile in den fortgeschrittenen zweistelligen Bereich und beschränkt sich schon seit langem nicht mehr nur auf geographische Gebiete, sondern befasst sich inzwischen auch mit dem Beleuchten von ganz speziellen Stilrichtungen.
Der erste RG To Irish Folk kam bereits 1999 heraus und war seinerzeit von Phil Stanton zusammengetragen worden. Der fungiert jetzt als Rough Guide Oberguru und hat einem weiteren Spezialisten für Reels, Jigs und Flings, Geoff Wallis, das Compilieren überlassen. Smells a bit like Hausmannskost, was Geoff da in den Pubs zwischen Londonderry und Cork aufgetan hat. Das hat aber vermutlich weniger etwas mit seiner Person zu tun, als mit der Tatsache, daß irische Traditionsmusik standesgemäß schon immer einen etwas konservativen Einschlag hatte. Keltischer a-cappella Gesang und fidele Fiddler halten sich dennoch recht wacker im ländlich-irischen Umfeld und bieten den Formationen, die etwas mehr auf genreübergreifende Einflüsse setzen, jederzeit Paroli. Dennoch sollte man auch da nicht zu viel Exotik erwarten. Das musikalische Erbgut will schließlich gewahrt bleiben und da läßt sich der traditionsbewußte Ire von nichts und niemandem reinfunken.
In New York sieht man das erfahrungsgemäß etwas anders. Die Latinos im Apple bleiben zwar auch immer gerne unter ihresgleichen, dennoch haben sie ihre Tanz-Musik schon seit den 60er Jahren konsequent mit amerikanischem Soul und R & B gekreuzt. Was dabei herauskam war der Boogaloo, eine hoch tanzbare und damit verbunden eine hoch energetische Clubmusik. Da geht die Post wesentlich deutlicher ab als im vergleichsweise behäbigen Irland. Und selbst so arrivierte Personen wie Tito Puente, Celia Cruz oder Ray Barretto mischten da kräftig mit, Musiker, die dem Boogaloo anfänglich eher skeptisch gegenüberstanden. Aber was fetzt und swingt überzeugt auch irgendwann den letzten Zauderer und so groovten die alten Maestros genauso überzeugend wie die damalige junge Garde. Gute 10 Jahre hielt sich das Boogaloo Fieber, dann war Salsa dran. Was auf dieser CD zu hören ist, setzte einmal Maßstäbe. Die Cuba Beats und den AfroJazz von damals will heute keiner mehr missen. Hier werden sie wieder lebendig.

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