Neue Platten

Gilad Atzmon - Refuge

Genre: Jazz
Label:Enja (Soulfood)
CD, VÖ: - 25.01.2008

„Für mich persönlich bedeutet Jazz zu spielen, die Weltordnung von Bush, Blair und Sharon zu bekämpfen. … Jazz zu spielen heißt, den neuen Kolonialismus zu bekämpfen. Jazz zu spielen heißt, zu sagen, woran ich glaube, mich einzusetzen für meine palästinensichen und irakischen Brüder. Jazz zu spielen heißt, eine alternative Wirklichkeit vorzuschlagen, mich neu zu erfinden und bereit zu sein, dies bis zum bitteren Ende immer weiter zu tun.“ Dies schrieb der israelische Saxophonist Gilad Atzmon in einem Essay für den englischen „Guardian“ im Jahre 2004. Ein Musiker also mit Rückgrat, ein Musiker der sich politisch begreift und der sich nicht von geschwätzigen Politikern ins Boxhorn jagen läßt. Ein Musiker aber auch, der einsehen musste, dass man mit Musik alleine die Welt nicht verbessern kann, dass politisch-musikalisches Sendungsbewußtsein seine engen Grenzen hat. Aber trotzdem und gerade deswegen sollte man Gilad Atzmon und seine Musik intensiver zur Kenntnis nehmen, als vielleicht die anderer Künstler, die Kunst nur um ihrer selbst Willen machen. „Refuge” ist ein Jazzalbum von besonderem Format, von spielerischer Größe und improvisatorischer Könnerschaft. Atzmon geht es nicht darum, durch handwerkliche Schnelligkeit oder durch akademische Spitzfindigkeiten zu beeindrucken. Für ihn ist es wichtig, seine latente Melancholie, seine trauernde Frustration, hervorgerufen durch eine immer feindlicher werdenden Welt, deutlich zum Ausdruck zu bringen. Und nach diesen 55 Minuten kann man uneingeschränkt behaupten, dass ihm dies virtuos geglückt ist.

www.gilad.co.uk