Neue Platten

The Rough Guide To Dub - (V. A.)

Genre: Dub
Label:World Music Network (edel contraire)
CD, VÖ - 04.04.2005

Ja, auch zum Thema Dub hat der Rough Guide etwas zu vermelden. Dabei ist dieses Kapitel beileibe nicht so zugänglich, wie beispielsweise Tango, Klezmer oder Bellydance, mit dem sich der rauhe Führer in der Vergangenheit schon beschäftigt hat. Erschwerend kommt noch hinzu, daß Dub eine Spielart des Reggae ist, die mit einer CD zufriedenstellend kaum zu umreißen sein dürfte. Insofern ist die Aussage „A Rough Guide To Dub” auch ein bißchen geflunkert, denn hier geht’s nämlich nur um einen kleinen Teilbereich dieser ganz besonderen Kiffer-Musik. Nämlich um die erste Blütezeit des Dub, die Mitte der 70er von Leuten wie King Tubby oder Prince Jammy dominiert wurde.
Eigentlich ist der Dub ja ursprünglich ein ganz banales Zufallsprodukt gewesen, weil nämlich ein vermutlich tütenbauender Studiomixer vergessen hatte, die Gesangsspur aufzuziehen und statt dessen einfach nur der sogenannte Riddim-Track aus den Boxen kam. Sei’s drum, der Dub war somit geboren und hat in der Folge seinen Siegeszug von Jamaika aus um die Welt angetreten.
Steve Barrow, ein Experte von Rastafari’s Gnaden hat dieses Album zusammengestellt. Und er muß wohl auch ein mächtiger Fan von King Tubby gewesen sein, denn der König hat bei der Hälfte der hier vorliegenden Tracks seine magischen Finger mit im Spiel. Tubbys Remixe gelten bei Insidern als legendär, bereiten aber trotzdem dem gemeinen Reggae-Fan wegen seiner manchmal recht rigide eingesetzten Hall- und Echo-Exzesse immer wieder Kopfschmerzen. Ein flotter Dancehall-Effekt will sich also nur bei ganz wenigen Tracks einstellen. So wie bei Horace Andy, der auf Prince Jammy trifft, hier groovt der Dub ganz erheblich, oder wenn sich Inncer Circle mit Maximillian duellieren. Manch andere Dub-Essentials dagegen machen trotz deftiger Bassline, kräftigen Bläserschüben, Gewehrsalven, gewittrigem Donnerwetter und diverser Masters of Ceremony (daher das Kürzel MC) einen – na ja – doch etwas langatmigen Eindruck, im wahrsten Sinne des Wortes. Wenig überzeugend auch die etwas irritierenden, fast schon gewaltsamen Beendigungen vieler Aufnahmen. Regler ruck-zuck runter und aus die Maus.
Andererseits: hätten die Alt-Dubber keine so coole Pionier-Arbeit geleistet, wären Remixer, Rapper und vielleicht auch die gesamte DJ-Kultur heute gar nicht existent. Also doch irgendwie lohnenswert, diese CD.

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