Neue Platten

Olaf Schönborn’s Q4 - Radio Jazz

Genre: Mainstream Jazz
Label: JazznArts (OUR/Soulfood)
CD - 28.03.2008

Manchmal können Album-Titel ja schon etwas verräterisch sein. Erst recht dann, wenn man aus eigener Erfahrung und Anschauung entsprechend auf der Hut ist. Der Begriff „Radio Jazz“ muss demnach für musikalische Grenzgänger und Klang-Individualisten einen etwas faden Beigeschmack haben, eingedenk der Tatsache, dass Jazz im Radio, wenn überhaupt existent, schon lange eine genauso gewürzlose und flachgenudelte Angelegenheit ist, wie fast alle Radioformate, die landauf landab mit Wühltischproduktionen und quälendem Mainstream nerven. Es sei denn, man ist arbeitslos und kann sich den wenigen überhaupt erwähnenswerten Specials widmen, die ein paar ambitionierte Nachteulen-Jazzredakteure zu nachmitternächtlicher Stunde noch fahren dürfen. Olaf Schönborn’s „Radio Jazz“ würde da sicher sofort unter den Tisch bzw. direkt in den Mülleimer fallen, denn seine „hochmelodiösen“ und ermüdend eingängigen Streifzüge durch die seichten Niederungen der Saxophonwelt haben mit progressiver oder innovativer Jazz-Arbeit nur relativ wenig zu tun. Da ist schon eher ein deutscher Kenny G zugange, der sich – genau wie Schönborns großes Leitbild Pat Metheny – schon lange dem gut genährten Jazz-Establishment verschrieben hat und somit für Spezialisten nicht unbedingt mehr das Mass aller Dinge ist. Und auch die wenig aussagekräftigen und dazu noch arg konstruiert bis banal klingenden Kommentare Schönborns zu den einzelnen Tracks tragen jedenfalls nicht dazu bei, dieser CD eine allzu große Bedeutung beizumessen. Der ambitionierte Jazz, zu dem sich Schönborn dennoch zählt, hat so ein relief- und kantenloses Opus jedenfalls nicht verdient.

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