Neue Platten

Doug Wimbish - Cinema Sonics

Genre: Jazz-Rock
Label:Yellowbird/Enja (Soulfood)
CD, VÖ: - 25.04.2008

Es ist schon erstaunlich, dass ein Mann wie Doug Wimbish auf einem Jazz-Label veröffentlicht, auf traditionsreiche Jazzfestivals eingeladen wird und überhaupt in den eher intellektuellen Kreisen dieses Genres so viel Beachtung findet. Wo er doch eigentlich ein erdiger Rocker ist, ein Mann des harten Slap-Bass, einer der einst mit Grandmaster Flash, Living Colour, Headfake oder Tackhead ordentlich auf die Kacke gehauen hat, sich als ein Enfant Terrible des Jazz-Rock zu etablieren wusste. Aber vielleicht ist er ja auch gerade deshalb auf diesem Sektor so beliebt, weil er den verborgenen Schweinerocker in den manchmal etwas vergeistigten Jazzgurus anspricht. Und wer vor Ort genau hinsieht, entdeckt die glänzenden Augen der Zuschauer, wenn Doug auf der Bühne wieder mal als 4-saitiges Rumpelstilzchen die Wutz rauslässt. Nun also sein zweites Solo-Album. Ein kompaktes Werk mit viel Dampf im Kessel. Und mit Mitstreitern, die eher für Hard- als für Softcore stehen: Skip McDonald, Gitarre, Keith Leblanc, Milan Cimfe und Will Calhoun am Hammer-Schlagzeug, Bernard Fowler mit der Rocky-Horror-Stimme. Adrian Sherwood mischt und bearbeitet schließlich das ganze in einem „creative ambiance & psycho mix”. Es macht keinen Sinn, dieses Album als leise Hintergrundmusik laufen zu lassen. „CinemaSonics” gebührt eine Lautstärke, die auch dem Nachbarn die Chance zum Mithören gibt. Nur dann kommt zur Geltung, was diese Mucke ausmacht: gefährlicher FunkPunkRockDub mit der Lizenz zum Headbanging. Ungefähr nach der halben Spielzeit darf allerdings verschauft werden. Aber auch dann wird noch ausreichend und kunstvoll elektronisch im Sinne von On-U-Produktionen nachgewürzt und es zeigt sich, dass der Bass-Funker durchaus auch die hohe Kunst des melodiösen Zupfens zwischen Pop, OuterSpace und Chill-Room versteht, garniert mit Flöten, Saxophon und der Massive Attack Sängerin Shara Nelson. Fazit: Sehr cool und definitiv besser als das Debut-Album.

www.enjarecords.com