Neue Platten

Madrid De Los Austrias - ¡Más Amor!

Genre: HispanoLounge
Label:Sunshine (Soulfood)
CD, VÖ: - 11.04.2005

Obwohl so manch einer über diesen Bandnamen erst mal stolpert, so ist er doch mit Bedacht ausgewählt. Madrid des los Austrias ist das historische Zentrum von Madrid, den Habsburgern sei’s gedankt. Mal kurz dorhin geheiratet, die spanische Krone kassiert und schwupps reichte Ösiland vor knapp 500 Jahren mal von den Karpaten bis nach Kastilien. Ähnliches Großmachtstreben, allerdings eher auf dem Marketingbereich, müssen wir nun auch dem DJ Heinz Tronigger und dem Soundkünstler(!) Michael Kreiner (aka Pogo) aus Wien unterstellen, denn schließlich wollen sie ihr Madrid-De-Los-Austrias-Projekt europa- wenn nicht gar weltweit vermarkten. Das dürfte auch nicht allzu schwer fallen, denn die Idee, kastilianische Flamenco-Tradition mit internationaler Clubmucke zu kreuzen, ist ausnehmend gut gelungen.
Den ersten Anlauf unternahmen die beiden schon 2001 mit dem Album „Amor”. Weitläufig angelegte Tracks schraubten die Spielzeit damals auf lockere eineinviertel Stunden und neben spanischen Ingredienzien gab noch einige Verweise auf die portugiesisch sprechende Weltgemeinde. „Más Amor” wirkt in seiner Struktur dagegen etwas konzentrierter und hat mit Portugal bzw. Brasilien nix mehr am Hut. Wien meets Madrid. Punkt. Aber wie bei aller modernen Clubmusik, die sich mit ihrer urbanen Elektronica auf landestypischen Ethno-Spezialitäten einläßt, sind auch auf dieser Scheibe zugunsten einer besseren Verdaulichkeit der Ur-Materie (in diesem Fall also dem Flamenco) ein paar Reißzähne gezogen worden. Hardcore-Aficionados werden da also nur bedingt bedient, dafür hat die Bailaores-Fraktion allen Grund zum Jubel: knackige Beats und jazzige Instrumentierung sind genau das richtige für den Dancefloor. Fette Blechbläser und kerniger Slap-Bass tun ihr übriges. Bei „No A La Guerra” kann man dagegen im Sessel gemütlich auf den Rückzug der spanischen Armee aus dem Irak anstoßen und ansonsten sich bei bediegener bpm-Zahl und bauchigen Basslines seiner alten oder neuen Zweierkiste widmen. Köstliches auch zum Ende: Auf träger Dub-Basis darf erstmals auf spanisch gejodelt werden. Herz was willst du mehr.

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