Neue Platten

Joel Harrison - Passing Train

Genre: Singer/Songwriter
Label:Tuition (Alive)
CD, VÖ: - 16.05.2008

Wenn es dem Esel zu wohl ist, geht er auf’s Eis tanzen. Und wenn es dem Jazz-Gitarristen Joel Harrison zu wohl ist, wird er zum Singer/Songwriter. Eine nicht ganz einfache Mutation, wie sich in diesem Falle herausstellte, denn Joel Harrison werkelte ganze 6 Jahre an seinem Pop-Debut, fern der Jazz-Gefilde. Aber der Aufwand hat sich gelohnt. Denn „Passing Train” glänzt durch ein ausgewogenes Verhältnis von aufgekratzter Entspanntheit und wohl durchdachter Komplexität. Und wartet mit einem weiteren Novum auf: Harrison singt. Ein Zustand, an den er sich laut eigener Aussage erst einmal gewöhnen musste. Aber wie sich nun herausgestellt hat, auch das klappt zur vollsten Zufriedenheit. Die CD beginnt gleich mit einem echten Juwel: „Wishing Well“ schiebt sich von einem treibenden Bass, dezenten Bläsern und einem schräge schaukelnden Beat sachte getrieben über sechs Minuten lang durch ein Labyrinth aus Folk und Rock. Dazwischen Violinen- und Gitarren-Solo und eine dezent wimmernde Hammond-Orgel, die von Ex-Tin-Hat-Trio-Keyboarder/Akkordeonist Rob Burger bedient wird. Aber auch stille Nummern, die ihn als einfühlsamen Singer/Songwriter vorstellen (z. B. in dem Antikriegs-Song „Glory Days Are Gone”), haben es in sich. Manches mal erinnert einen die Szenerie mit ihren melancholischen Stimmungsbildern etwas an Platten von Terry Callier, nur ist Harrison der eindeutig kreativere Akteur, der sich zudem mit einem Musikerstab (inklusive Gast-Sängerinnen) umgeben hat, der seine breit gefächerten musikalischen Ideen bestens umzusetzen weiss. Ein überraschend warmes Album und so ganz anders als man es von einem bekennenden Jazzer erwarten würde.

www.joelharrison.com