Neue Platten

Erika Stucky - Princess

Genre: Pop-Art-Jazz
Label:Traumton (Indigo)
CD, VÖ - 11.04.2005

Erika Stucky kann man nicht mit dem normalen Maßband messen, das man gemeinhin an eine Sängerin anlegt. Diese Chanteuse aus der Schweiz mit einer amerikanischen Geburtsangabe im Pass und mit einer nicht unerheblichen Anzahl Ami-Flausen im Kopf, entzieht sich konsequent jeder Kategorisierung, sowohl als Performerin und Sängerin, als auch als Person Erika Stucky. Sie muß man live gesehen haben, um zu verstehen: diese Frau ist ein Gesamtkunstwerk. Personifizierte Selbstinszenierung auf Bühne und Tonträger, theatralisches Unikum in Wort und Bild. Eine Frau mit losem Mundwerk und der Respektlosigkeit einer extrovertierten Kampf-Aktrice.
Und damit ist auch klar, daß sich ihre Plattenveröffentlichungen genauso wenig in gängige Schablonen pressen lassen. Das geht schon mal damit los, daß sie bereits seit geraumer Zeit mit zwei Burschen zugange ist, die antagonistischer nicht sein könnten. Bertl Mütter ist der eine, bläst meist in eine Posaune und ist von Natur her Österreicher, der andere, Jon Sass, bläst meist (das heißt eigentlich fast immer) in eine Basstuba und gehört zum Stamme der schwarzen Bronx-Amerikaner.
Doch mehr noch an Exotika. Als ob hier nicht schon genug getutet wird, hat die schweizer Prinzessin für ihre neue Produktion sieben weitere K & K-Blechnasen eingeladen, die Mnozil-Brass-Band, skurriles Wiener Blechblut in Reinkultur. Schließlich bearbeitet noch ein gewisser Lucas Niggli seine Trommelfelle (endlich mal ein richtiger Schweizer) und ein echter Alternativ-Drummer noch dazu.
Ach ja, die Musik itself. Beinahe vergessen. Mainstream: klare Fehlanzeige. Statt dessen: Prince, Elvis, Muhammad Ali, Michael ‘The Nose’ Jackson, Freddie Mercury, Kurt Kobain … natürlich in Stucky’scher Aushebelung. Princess, Waitress, Domina, Queen Mom … natürlich in Stucky’scher Transformation. Gesamtverpackung: Jazz, experimentelle Geräuschkulisse, Pop, cinemascope Soundmetamorphosen … und dazwischen Erika mit der Stimme einer quiekenden Hofnärrin, dem Vokal-Reservoir einer groovigen Jazz-Diva und dem Johlen einer rockigen Krawallschachtel. Ja, liebe Freunde, so ist Erika. Wäre ja auch noch schöner, wenn die Helvetianer nur Heidis oder Vicos zu bieten hätten. Frau Stucky dagegen ist die Princess auf der Erbse, die in ihrem Hintern das untrügliche Feingefühl eines versierten Chirurgen hat – musikalisch gesehen.

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