Neue Platten

Marc Ribot’s Ceramic Dog - Party Intellectuals

Genre: Rock-Jazz
Label:Yellowbird (Soulfood)
CD, VÖ: - 13.06.2008

Ja, da hat sich Mr. Ribot wieder alle Mühe gemacht, die Wutz rauszulassen. Wer den smarten Herrn im Anzug und mit der Gitarre unterm Arm mal auf einem Konzert erlebt hat, der weiß was es bedeutet, Seriosität mit musikalischen Rowdytum zu verbinden. Und so wird auch die Einleitung zu „Party Intellectuals” gleich erst einmal zu einer Exterminierung mittels Abrissbirne. Kaum mehr wieder zu erkennen, der alte Doors-Titel „Break on Through”. Marc Ribot (Gitarre), Ches Smith (Drums) und Shahzad Ismaily (Bass) geben sich alle Mühe, keinen Stein auf dem anderen zu lassen. Hat man diese akustische Leidensschwelle dann mal hinter sich gelassen, geht’s an die frickelige Feinarbeit. Ganz im Stil der alten Talking Heads rappelt sich das Trio von Break zu Break, stolpert über Elektro-Kabel, Trommelstöcke und gerissene Bass-Saiten, man nennt es auch Free-Funk. „Todo El Mundo es Kitsch” ist dann eine coole Weltreise durch das Corporate Design des Ribot’schen Cosmos: „In Saint Tropez we camped on the beach, in Frankfurt we drove in an Audi.” Janice Cruz singt ihr la-la-la dazu. Sehr schick. Da wo man es titel-technisch freakig vermutet, macht Ribot einen auf introvertiert und entlockt seinem Werkzeug elektronische Gimmicks. Und wenn das digitale Händeschütteln angesagt ist, lässt die Mannschaft ohne große Vorwarnung in einer 10-minütigen Dauereruption wieder die Wände wackeln. Diese drei keramischen Hunde bezeichnen demnach dieses Unternehmen auch nicht als „Projekt”, sondern als das Werk einer „richtigen Band“, will sagen: einer Rockkapelle, die zwischen Avantgarde, Hardrock, Jazz und Elektronik so ziemlich alles auskostet, was das virtuose Hirn eines manischen Saitenschneiders so alles ausbrüten kann.

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