Neue Platten

Kraudn Sepp - Sonntag

Genre: Volxmusik
Label:Trikont (Indigo)
DoCD, VÖ: - 28.03.2005

Trikont pflegt ja schon seit langem eine besondere Verbundenheit zur alternativen Volkskunst. Ein wichtiger Meilenstein war da die Reihe „Frühe Perlen deutschsprachiger Populär- und Volksmusik 1900 – 1950”, wo sowohl sächsische Volkssänger, rare Schellacktäter aus Berlin oder Zoten & Pikanterien aus Wien plötzlich wieder aus stereophonen HiFi-Anlagen knisterten. Und bei einem bayerisches Label durften in diesem Zusammenhang natürlich auch Lieder und Couplets aus der Isarmetropole nicht fehlen. Karl Valentin oder der Weiß Ferdl sind nur zwei von vielen dort vertretenen Urviechern. Später wurde mit Bally Prell erneut ein Münchner Original exhumiert. Die rundliche „Schönheitskönigin von Schneizlreuth” (den Ort gibt’s tatsächlich, er liegt südwestlich von Bad Reichenhall) trieb ihr Unwesen vorzugsweise in Münchner Lokalitäten, ihr Repertoire reichte von Heimatliedern über Schlager und Operetten bis hin zum Wienerlied.
Der Kraudn Sepp als neueste Trikont’sche Ausgrabung ist jedoch aus einem ganz anderen Holz geschnitzt. Er gilt heute als Mythos der Bayerischen Volksmusik, als ungewollter Nonkonformist, ja gelegentlich wird er auch von einigen Fundamentalisten als Nestbeschmutzer bezeichnet. Der Bauer Josef (wie er wirklich hieß) kam aus dem Isarwinkel (die Gegend um Lenggries) und war im Grunde genommen ein Landwirt, der sein Hobby, die Musik, zu seinem Lebensinhalt gemacht hat. Als Wirtshaussänger und gewitzter Alleinunterhalter war die Zither – erst recht nach dem Tod seiner Frau Anna – seine bessere Hälfte. Sein Repertoire wurde lange Zeit vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk ignoriert. Denn der Kraudn nahm keine Hand vor den Mund, gab das wieder, was Volksmeinung war und machte auch vor leicht anzüglichen Vorträgen nicht Halt. Er bediente sich der traditionellen Liedkunst, dem Zwiefachen, den Gstanzln, dem Landler, dem Wilderer- und dem Arbeitslied. Als musikalischer Autodidakt konnte er keine Noten lesen und seine Stimme war alles andere als geschmeidig. Backenbart und Tracht machten ihn zu einer schneidigen Erscheinung. Kein Wunder war er am Ende seiner Tage zu einer Kultfigur geworden und Leute wie Hans Söllner, die Biermösl-Blosn oder Hans-Peter Falkner (Attwenger) halten große Stücke auf ihn. Die vorliegende Doppel-CD beinhaltet 38 Lieder, drei Videos und ein umfangreiches Booklet. Alles zusammen wieder mal eine sauber recherchierte und höchstamüsante Trikont-Moritat. „Wo bei Niedernach der See so dunkl griaßt / wo man bei der Nacht auf fremde Auto schiaßt / schiaßn d’Jager pfeilgrad auf Mann und Kind und Frau / dort zwischen Walchensee und Jachenau.”
„Duidui Duljo“ sag ich da nur!

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