Neue Platten

Manfred Leuchter - Nomade

Genre: Jazz
Label:Luxaries Records (Sparito)
CD, VÖ: - 18.04.2005

Es dauert immer ein Weilchen, bis man sich ein Bild eines bis dato unbekannten Künstlers gemacht hat. Erst mal die CD vorwärts und rückwärts hören, Promo-Material sichten, Booklet begutachten, Website checken. Bei Manfred Leuchter bleibt man da automatisch etwas länger hängen. Nicht nur weil er ein Musiker ist, der einen extravaganten Stil pflegt, sondern weil er sich als ein Typ herausstellt, der auch noch einige andere sympathische Züge an sich trägt. Er tourt nämlich mit Vorliebe im Nahen Osten. Libanon, Palästina, Syrien, Jordanien oder Ägypten sind bevorzugte und immer wieder gern angesteuerte Stationen. Und er hat (neben Aachen) eine Zweitbleibe in Marrakech. Da wo man als Student auch schon immer hinwollte.
Leuchters Instrument ist das Akkordeon, ein Teil, das sich ja in letzter Zeit immer größerer Beliebtheit erfreut. Kenner der Szene werfen da gleich mit Meistern wie Piazzolla, Kalaniemi oder Spasiuk um sich. Einen Manfred Leuchter kann man da gleich hinterherwerfen, denn so viel steht fest: ebenbürtig ist er selbigen allemal.
Im Unterschied zu diesen jedoch, will sich Leuchter stilistisch aber scheinbar nicht auf irgendeinen regional begrenzten Raum festnageln lassen. Verfolgt man nämlich die 13 Titel seiner CD mit Aufmerksamkeit, so gewinnt der Album-Titel „Nomade” immer mehr an Bedeutung. Alles mögliche fließt bei ihm ein. Kraftvolle Schübe aus dem Orient, regennasse Tristesse auf Aachens Straßen, französisch-melancholisches vom Fuß des Montmartre, Sinnestäuschungen aus der Sahara, Film-Noire-Walzer, Funk-Einlagen, verfrickelter Eurojazz oder eine festplattengestützte Hans-Rosenthal-Hommage.
Obwohl omnipräsent, drängt sich der Leuchter’sche Blasebalg jedoch niemals unangenehm in den Vordergrund. Gruppenarbeit im kleinen und groß angelegten Stil ist stets das Gebot der Stunde und prägt jede Komposition anders. Mal mit minimalem Aufwand im Duo mit akustischer Gitarre, mal etwas üppiger mit Piano- und Bassbegleitung oder mit ausgewachsener Bandbesetzung inklusive Bläser. Aussagekräftig und von hoher Intensität sind die Stücke jedoch alle und so ganz nebenbei fördert das ausgefuchste Akkordeonspiel Leuchters auch noch das körperlich-geistige Wohlbefinden. Man genießt. Auch wenn der Meister einschränkend den italienischen Dichter Petrarca zitiert: „Ich will nicht, daß man gänzlich ohne Mühe höre, was ich nicht ohne Mühe geschrieben habe.” Ok, dann den nächsten Hördurchgang im Yoga-Sitz.

www.manfred-leuchter.de