Neue Platten

Jun Miyake - Stolen From Strangers

Genre: Jazz
Label:Yellowbird Records (Soulfood)
CD, VÖ: - 02.10.2008

„Unique and wonderful“ schreibt Hal Willner in seinen Liner-Notes zu diesem Album, „100% total Jun Miyake” an anderer Stelle. Jun Miyakes Machenschaften haarscharf und präzise zu beschreiben, fällt indes schwer, auch und gerade weil diese Musik von so atemberaubender Einzigartigkeit ist. Ein Japaner zwischen allen ethnischen Stühlen von Brasil bis Balkan, ein ausgebuffter Jazzer zwischen Pop und Noise, ein exquisiter Produzent zwischen Piano und Trompete. Ein audiophiler Farbpalettenkünstler, der kaum eine Schattierung auslässt und vor keinen stilistischen Schranken Halt macht. Andere reihen ihn ein im weiten Feld zwischen Kurt Weill, Tom Waits und Sun Ra. Ehrlich gesagt hilft uns aber auch nicht sehr viel weiter. Vielleicht dann schon eher die Musiker, die er für dieses Œvre um sich geschaart hat: Allen voran Arto Lindsay, Mitproduzent des Albums und Lichtgestalt in Sachen amerikanisch-brasilianischer Verschmelzungsideen, Lisa Papineau als erogene Flüstertüte, Dhafer Youssef als orientalischer Oud-Spezialist mit Unterstützung bulgarischer Frauenstimmen, Arthur H. als philosophierender Reibeisen-Clochard oder Vinicius Cantuaria als omnipräsenter Gitarrero von Schöpfers Gnaden und noch einige mehr. Und immer noch ergibt sich kein der genialen Realität angemessenes homogenes Bild. Denn da gibt es noch die bisher unerwähnt gebliebenen Verknüpfungs- und Experimentiervorlieben des Japaners, eine immer wiederkehrende Spezialität dieses Klang-Cineasten. Klappernde Afro-Brasil-Perkussion, weich fließende Streicherströme, LoFi-Bossa, Musette-Chanson, Balkan-Folklore oder Hollywood-Pathos – alles kunstvoll miteinander verwoben und neu kombiniert ergibt ein heiter-beschwingtes Faszinosum, das dieses Album schnell zu einem Perpetuum Mobile im heimischen CD-Spieler werden lässt. Ein perfekt inszeniertes und an Geschmackssicherheit kaum zu überbietendes Klang-Feuerwerk.

www.junmiyake.com