Neue Platten

Verve Remixed 3 / Unmixed 3 - (V. A.)

Genre: Jazz / Elektro
Label:Verve, Universal Jazz (Universal)
2CD, VÖ: - 18.04.2005

Als ich klein war, durfte ich mich jede Woche in der HÖR ZU über die Rubrik „Original und Fälschung” hermachen. Zwei Gemälde, auf den ersten Blick gleich, links die Ur-Version, rechts der Remix sozusagen, mit kleinen Varianten. Wo sind die Unterscheide versteckt? Sehr spannend aus Kindersicht.
Universal-Jazz bietet nun schon in der dritten Verlängerung ein ähnlich putziges Spielchen an, allerdings mehr für den musikinteressierten Erwachsenen: die Unmixed/Remixed Serie. Nicht ganz so vertrackt wie bei HÖR ZU, dafür etwas teurer in der Anschaffung aber vor allem von längerer Halbwertzeit, als eine schnöde Programm-Illustrierte. Ausgesuchte Originale des klassischen Vokaljazz stehen neben ihren trendigen Remixen aus der Neuzeit. Ein Stoff, aus dem nicht selten auch mal Alpträume werden können, wenn der Remixer danebenlangt. Bei Universal hat man allerdings die Sache scheinbar gut im Griff, denn 500.000 verkaufte Exemplare aus den ersten beiden Läufen können nicht nur aufgrund von manipulierten Stützungskäufen zustande gekommen sein. Und außerdem darf man das ja nicht. Grünes Licht also für Teil 3.
Die Originale, wie gehabt, von oftmals bestechender Schönheit. Nina Simone – Little Girl Blue – ein Traum. Billie Holiday – Speak Low – himmlisch. Dinah Washington – Baby Did You Hear? – göttlich. Zwar geht einem bei den anderen 10 Titeln schnell adäquates Top-of-the-Pops-Vokabular aus, aber dennoch zählt auch der Rest der Teil-3-Originale zu den unbestrittenen Brillis des Jazz. Aber einer muss noch sein: Sarah Vaughan – Peter Gunn – hammermäßig.
Bei den Remixen hat es eine Diva ganz besonders hart getroffen: Nina Simone’s Postal Service RMX erinnert mehr an vergewaltigte Jingle-Bells und auch ihr „Lilac Wine“ wurde durch unsachgemäßes Handanlegen durch Jimmy Lavalle eher verunstaltet. Shirley Horn mußte sich von der Sugardaddy-Posse eine nicht gerade gefühlvolle Not-OP gefallen lassen und Dinah Washington fiel dem Treiben einer gefährlichen Maus aka Brian Burton zum Opfer. Die verbleibenden Remixer, angefangen bei RJD2 über die Brazilian Girls bis hin zu Carl Craig oder Max Sedgley, haben sich gottseidank zum Teil sogar recht bravourös geschlagen und auf mein persönliches Siegertreppchen hieve ich hiermit Simon Mills & Neil Tolliday alias Bent, die der großen Billie Holiday ein luftiges und hinreißend-fesches Kleidchen auf den leider schon leicht pulverisierten Leib geschneidert haben.

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