Neue Platten

Susi Hyldgaard - Blush

Genre: Jazzy Songwriting
Label:Enja (SoulFood)
CD, VÖ: - 18.04.2005

Obwohl das kleine Völkchen der Dänen direkt vor der nördlichen Tür unseres Landes parkt, verstehen sie sich doch eher als Skandinavier. Und aus dieser kühlen, um nicht zu sagen etwas unterkühlten Region, kommt bekanntlich eine stattliche Anzahl von renommierten Sängerinnen, die sich gerne im Grenzbereich zwischen Pop, Jazz, Elektronik und Folk bewegen. Bakken, Tolstoy, Bremnes, Eriksen, Endresen, B. Lech (Beady Belle) – und jährlich werden es mehr. Warum Susi Hyldgaard erst in letzter Zeit bei dieser Aufzählung mit dabei ist, obwohl sie doch schon 3 spannungsgeladene Alben vorzuweisen hat, liegt vielleicht daran, daß sie ihre Karriere nie so richtig nach aggressiven Marktstrategien ausgerichtet hat. Das macht sie sympathisch und vor allem auch glaubhaft, wenn sie ihre kleinen Kunststückchen darbietet.
Ihr neuestes Werk, „Blush” ist auch wieder so ein Fall: 12 herbe bis sinnlich-reizvolle Früchtchen hat sie da wieder vom Baum der musikalischen Erkenntnis gebrochen, sparsam intoniert, selten mit voller Kraft voraus, aber immer intensiv und sehr leidenschaftlich in der Darbietung. Hätte sie eine Gitarre umhängen, würde man sie sofort in die Singer/Songwriter-Schublade stecken. Da sie aber vorzugsweise am Flügel oder am Rhodes arbeitet, manchmal auch Beats aus ihrem Laptop abruft und sich zuweilen ein kleines Weltmeister-Akkordeon umhängt, will sie nicht so einfach in gängige Raster passen. Viele ihrer Songs sind zwar, wenn man es genau nimmt, ordinäre Liebesliedchen, die sind aber allesamt in vielschichtige Lagen aus unverschnörkelter Klarheit, jazziger Professionalität und wattierter Nordfrau-Coolness verpackt. Ungestümes Temperament in Form eines durchgehenden Gauls sucht man bei Susi (zumindest auf ihren Tonträgern) vergebends. Dagegen knistert es ganz erheblich, wenn sie die Spur einer Leidenschaft erst mal aufgenommen hat. Dann legt sie sich mit all ihrer Weiblichkeit ins Zeug und gurrt was das Zeug hält. Ihre Stimme kann man dennoch, auch nicht mit größtem Wohlwollen, engelsgleich nennen, ihre Ausdrucksweise zählt eher zu der etwas spöderen Art, vergleichbar der einer Roisin Murphy. Aber gerade diese etwas brüchige Ätherik verströmt eine eigene ganz Magie und macht Susi Hyldgaard zu einer Lyrikerin der Sonderklasse.

www.susihyldgaard.dk
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