Neue Platten

Bossa Do Morro - (V. A.)

Genre: Brasil
Label:Universal (Universal)
CD, VÖ: - 24.10.2008

Ein Indie-Label macht’s vor, ein Major zieht nach: Die Individualisten-Firma Essay-Recordings aus Frankfurt leistete mit ihren ambitionierten Baile-Funk-Veröffent­lichungen Pionierarbeit in Sachen kompromissloser brasilianischer Favela-Musik und erntete weltweites Interesse – da kann ein Groß-Unternehmen wie Universal nur neidisch dreinblicken und versuchen, vom Kuchen auch ein Stückchen abzubekommen. Mit einem Album, das naturgemäß etwas gemäßigter daherkommt. Schließlich will man ja die Kundschaft nicht vergraulen und ins Label-Gesamtkonzept soll’s auch noch passen. Es wurden also einige Modifikationen angebracht: Das fängt schon beim CD-Titel an: Aus einer Favela, dem Armenvierteln, wurde kurzerhand ein romantischer „Morro”, ein „Hügel” also, auf dem bzw. auf denen um Rio die Unter­privilegierten ihr Leben fristen. Und ganz dem Universal-Credo „Classic & Jazz” verpflichtet wurde der gute alte Bossa Nova zur Grundlage der Remix-Arbeiten im Baile-Funk-Style herangezogen. Dass dabei keine authentischen „Favela-Booty-Beats“ herauskommen, versteht sich da von selbst. Vielmehr erinnern die 12 Tracks an Designer-Mode, die dem Punk die kreative Urkraft abgekupfert hat und dabei fashionmäßig entschärft wurde. Ein bisschen Scratching hier, ein paar Loops dort, eine Portion Beatbox und eine Handvoll Festplatten-Rhythmen dazu, und aus den Songs von Jobim, Gilberto und Co. wurden aufgepeppte Dancefloor-Tracks, die immer noch weitaus besser in eine Ipanema-Strand-Bar passen, als dass sie auf den „Morros” wirklich erst genommen werden. Konzept und Idee stammen vom Berliner Journalisten, DJ und Produzenten Daniel Haaksman, der auch schon beim Indie für den logistischen Überbau gesorgt hat. Hier allerdings hat der Überläufer avantgarde-technisch mehrere Gänge zurückgeschaltet.

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