Neue Platten

Warsaw Village Band - Infinity

Genre: Folk
Label:Jaro
CD, VÖ: - 24.10.2008

Ein seltsames Konzept haben sie sich da schon zusammengezimmert, die Warsaw Village Band aus Polen. Einerseits ist ihre Musik stark geprägt von archaisch betriebenen Streich- und Perkussionsinstrumenten, andererseits ähneln viele Tracks in Aufbau und Struktur heutiger Rock-, Funk- oder gar Trance-Musik, was ihnen auch schon den Ruf einer Bio-Techno-Band einbrachte. Bestimmte der Rückblick auf polnische Traditionsmusik noch weitestgehend das Geschehen auf ihrer letzten CD „Uprooting“, so haben sich Wojtek Krzak und seine Dorfmusiker auf „Infinity“ nun ganz dem Themenkreis „Wer bin ich – wo komme ich her – wo gehe ich hin“ gewidmet. Eine logische und legitime Betrachtungsweise eingedenk der Tatsache, dass Krzak und Cellistin Maja Kleszcz seit kurzem Eltern geworden sind und man dadurch den Weltenlauf plötzlich ganz anders betrachtet.

Welchen Einfluss hat diese Tatsache auf die Kompositionen gehabt? Kann man das an einzelnen Punkten/Merkmalen festmachen, die für den Hörer erkennbar sind?

Die eigenwillige Herangehensweise an Komposition und Ausführung, die ungewöhnliche Besetzung aus Cello, Violinen, Hackbrett, Kniegeige, skandinavischer Nickelharpa und diverser Trommeln in Verbindung mit althergebrachten als auch zeit¬genössischen polnischen Text¬bestandteilen hatten bereits 2004 zum BBC Radio 3 Award geführt. Auf „Infinity“ werden nun diese Leitgedanken weiter ausgebaut und vervollkommnet. Gastmusiker wie der Kroke-Geiger Tomaz Kukurba oder der James Brown der Karpaten Jan Trebunia Tutka passen da wunderbar ins Gefüge. Grenzgänge zwischen Blues, DJ-Kultur oder indischen Ragas, gehören genauso in die Welt der WVB wie das Hantieren mit old- und new-school-Techniken, dem ewigen Kampf zwischen Klassik und Moderne. Insofern bietet das polnische Sextet packende Folk-Avantgarde auf einem altertümlichen Fundament.

www.warsawvillageband.net