Neue Platten

Captain Future Re-Animated - (V. A.)

Genre: Elektro-Pop
Label:Colosseum (Rough Trade)
CD, VÖ: - 18.04.2005

Es soll ja Leute geben, denen Captain Future eine unauslöschliche Bereicherung ihrer Kinderstube war. Allein mir fehlt der persönliche Nachvollzug, denn egal ob Raumschiffe wie Orion oder Enterprise oder eben das des Kapitän Zukunft – mit extraterrestrischen Rennsemmeln hatte ich noch nie groß was am Hut. Aber scheinbar bin ich da nicht der einzige. Trotzdem wundert es mich ein wenig, daß sogar einige Remixer, die an dieses Projekt herangelassen wurden, von dieser intergalaktischen Zeichentrick-Posse aus Nippon-Land genauso wenig Ahnung gehabt haben. Tiger Tunes aus Dänemark beispielsweise mußten sich erst mal ordentlich in die Materie reinhören, bevor sie sich an die Arbeit machen konnten und auch der Eidgenosse Balduin gibt freimütig zu, vor der Anfrage der Plattenfirma ziemlich bezugslos zum Captain und seiner Crew dagestanden zu haben. Liebes ZDF: scheinbar müßt ihr im benachbarten Ausland noch ein bißchen mehr Missionsarbeit leisten.
Wie dem auch sei, Christian Bruhn, dem musikalisch-geistigen Vater dieser Serie, ist auf dieser CD jedenfalls ausgiebigst gehuldigt worden. a) weil er gerade 70 geworden ist und b) weil er schon so eine Art Legende der deutschen Pop-Musik ist. „Marmor, Stein und Eisen bricht”, „Timm Thaler“, „Heidi“, „2 kleine Italiener“ … all dieser Schmus ist auf seinem Mist gewachsen, für mich zwar eher ein Grund zur Trauer, aber das steht hier nicht zur Debatte.

Die Re-Animierung des rothaarigen Weltraum-Zampano jedenfalls hat mannigfaltige Früchte getragen. Etwas unreifes Frühobst ist zwar auch dabei, im großen und ganzen sind die Modernisierungsversuche aber durchweg gelungen und machmal sogar superb. Wie natürlich schon vor dem Verkosten dieser Scheibe zu vermuten war, wird allenthalben schwer auf die Elektro-Tube gedrückt. So daddeln sich vor allem Sirius Mo, Egotronics oder Herr Stenzel quer durch den künstlich angelegten Synthie-Garten und erinnern dabei an die guten alten Neue Deutsche Welle Zeiten. Aber auch so ambitionierte Bands wie N.O.H.A., Air Liquide oder Le Hammond Inferno machen aus dem Bruhn’sche Basismaterial erstaunlich griffige Adaptionen, wenngleich sie da qualitätstechnisch schon ein bißchen tiefer in die Trickkiste greifen, als der eine oder andere Solo-Heimwerker. Knackige Dancebeats lassen, genau wie quirlige Post-Techno-Tracks oder housige Floor-Killer die Milchstraße ordentlich vibrieren und selbst Tribalelemente oder eine flirrende Wildwestmixtur sind im Angebot. Tja, nichts ist unmöglich, Herr Bruhns. Da sind se platt, was?

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