Neue Platten

Dotschy Reinhardt - Suni

Genre: Jazz
Label:Galileo MC
CD, VÖ: - 07.11.2008

Im Zuge des derzeitigen großen Gypsy-Brass-Hypes gerät die jahrelange enge Affinität der Roma zum Swing-Jazz zunehmend in den Hintergrund. Musiker wie Django und Schnuckenack Reinhardt, Lancy Falta, Stéphane Grappelli, Harri Stoijka oder Birelli Lagrène haben den europäischen Gypsy-Jazz dominiert, lange bevor der Balkan mit seinen Blasorchestern entdeckt wurde. Die junge Nachkommenschaft dieser großen Sinti-Musiker haben es heute vielleicht noch schwerer, sich auf dem unüberblickbaren Markt der musikalischen Eitelkeiten zu behaupten, erst recht wenn sie keine Musik von lauter Imposanz machen. Zu ihnen zählt sicher auch Dotschy Reinhardt, Nachfahrin des legendären Jean „Django” Reinhardt, die sich anschickt, der deutschen Gypsyjazz-Szene neue Impulse zu liefern. Und mit „Suni” ist sie auf einem durchaus vielversprechenden Weg. Es ist ein leises, geschickt arrangiertes Vokal-Jazz-Album, gesungen teils in Romanes, teils in Englisch, aufgenommen in Berlin und Paris. Vieles hat sie da hineingepackt: Smarte Coverversionen von Henry Mancini oder Gato Barbieri, ein paar Kompositionen aus ihrem Clan-Nachlass, aber auch viele Songs aus der eigenen Feder. Begleiten lässt sich Dotschy Reinhardt von qualifizierten, jungen Musikern an Piano, Gitarre, Violine, Kontra­bass und Perkussion, hinzu kommen Gäste wie der Django-Reinhardt-Enkel David oder ihr Cousin Lancy Falta. Ein zartes, feinfühliges Album mit großem emotionalem Tiefgang und hoher künstlerischer Ausdruckskraft. Zeitgleich zu diesem Album präsentiert Dotschy Reinhardt übrigens auch ein Buch. „Gypsy – Die Geschichte einer großen Sinti-Familie” (Scherz-Verlag). Sicher eine gute Gelegenheit, seinen Horizont in Sachen „Sinti und Roma-Geschichte“ zu erweitern.

www.dotschy.com