Neue Platten

Najma - Fariyaad

Genre: India
Label:Connecting Cultures (Galileo)
CD, VÖ: - 14.11.2008

Wenn die CD einer indischen Künstlerin beim ersten Hineinhören nicht gleich aufdringlich nach billigem Bollywood-Klamauk klingt, ist das schon mal sehr viel wert. Najma Akhtar gehört zu der Art von Musikerin, die in asiatischer Musik mehr sieht als nur billige Untermalung für Fließband-Schnulzenkino. Begründet liegt das unter anderem daran, dass sie in London geboren wurde und im Schmelzitiegel hybrider Kulturen aufwuchs. Sie wurde von Pop, Rock, Jazz und Funk genauso geprägt wie von Sufi- und klassischer indischer Musik. Entsprechend multikulturell geht es in ihrem Kopf zu. Ihr Gesang ist verankert im strengen Erbe der Ghazal-Ragas, einer Musikform, die vor allem im indo-pakistanischen und persischen Kulturkreis vorkommt. Dies verknüpft mit westlichen Jazz-Paradigmen und Einflüssen aus der britischen Klubkultur ergibt ein hoch-interessantes Gebräu, das einerseits einer gewissen Exotik nicht entbehrt, andererseits gekenntzeichnet ist von einem Wieder­erkennungswert, der westlichen Ohren den Zugang zu dieser Musik sehr erleichtert. Musiker wie Steve Coleman (Saxophon) oder Didier Malherbe (Saxophon/Flöte) sowie Olivier Louvel (Gitarren/Saz) und Jean Baptiste Ferré (Keyboards) bedienen sich vor allem mediterraner Musikinstrumente. So tritt die indische Tradition zwar auf den ersten Blick vielleicht etwas in den Hintergrund, kann sich so aber von alten Zöpfen befreien und es entsteht Raum für Neues. Alle Beteiligten haben diesen Freiraum intelligent ausgenutzt und „Fariyaad” zu einem Album gemacht, das man getrost als gelungene Symbiose zwischen Asien und Europa bezeichnen kann.

www.najmaakhtar.net