Neue Platten

Rokia Traoré - Tchamantche

Genre: Westafrika
Label:Out Here (Indigo)
CD, VÖ: - 14.11.2008

Wer Rokia Traorés vergangene Alben kennt, wird von dem Neuen überrascht sein. „Tchamantche” ist anders. Positiv anders. Eine Abkehr von afrikanischer Roots­musik, weg von „African Folk”, von Balafon und trockener Perkussion, hin zu elektrischer Gitarre, Human Beat Box, E-Bass, N’Goni und westlichen Rhytmus-Patterns. Dennoch wird in keinster Weise Verrat an der afrikanischen Sache begangen. Wie ist so etwas zu schaffen? Rokia Traoré ist eine Meisterin der Verständigung. Sie versteht es, ihre traditionellen Wurzeln gewinnbringend in eine frische Mischung aus klanglicher Modernität umzumünzen. Ein afrikanisches Album, produziert und konzipiert außerhalb Afrikas, aber mit Themen, die wichtig und relevant für ihre Heimat sind. Rokia Traoré bedient sich auf diesem Album vorwiegend der guten alten Gretsch-Gitarre, die in der 50er und 60er Jahren vor allem von amerikanischen Rockabilly-Musikern verwendet wurde. Ein Klang, der übrigens erstaunlich homogen ins afrikanische Ambiente dieses Albums passt. Genauso wie die Aussage, dass sie ganz einfach zu einer neuen, jungen afrikanischen Musikergeneration gehöre, die weltoffen agiert, sich dennoch aber voll und ganz zu ihrem Heimatkontinent bekennt. So ist es auch zu erklären, das jemand wir Sly Johnson von der HipHop-Band Saïan Supa Crew problemlos auf diesem Album seinen Platz findet. Auf diese Weise kommen wir in den Genuss einer CD, die uns einerseits zwar eine fremde Kultur vermittelt, uns andererseits klanglich aber auch sehr vertraut vorkommt. Und genau da liegt die große Spannung, die ausgewogenen Balance und die ungeheuere Faszination dieser zehn Kompositionen. Die Sichtweise von Europa nach Afrika hat sich als sehr effizient und kreativ erwiesen.

www.rokiatraore.net/