Neue Platten

The Go-Betweens - Oceans Apart

Genre: Indie Pop
Label:Tuition (Alive)
CD + Bonus, Vinyl, VÖ: - 25.04.2005

Nicht nur die Alterspyramide mitteleuropäischer Staaten weist immer mehr ältere Zeitgenossen auf, auch im Musikbusiness wächst die Zahl derer beständig, die dem jugendlichen Trendalter schon länger entwachsen sind. Die Go-Betweens hatten sich beispielsweise schon 1977 in Brisbane konstituiert. Folglich sind deren Gründungsmitglieder Robert Forster und Grant McLennan bereits im reifen End-40er Stadium angelangt. Aber was New Order können, können die Go-Betweens auch, nämlich als Senior-Popper noch klasse Songs schreiben. Das dritte Album nach ihrer Reunion 1999 hätte zwar etwas länger ausfallen dürfen, aber dennoch sind die knapp 40 Minuten wieder ein Ohrenschmankerl von ausgesuchter Brillianz.
Zwar manchmal ein bißchen retro-gewandt perlen die Songs aber dennoch als quasi unverderbliche Pop-Ware vor sich hin. Der Intro-Song erinnert schwer an die Talking Heads zu ihren Glanzzeiten und auch die bereits erwähnten New Order glaubt man in der hinterletzten Ecke dieser CD irgendwie immer ausmachen zu können. Das Rezept dieser Songs ist dabei so einfach wie erfolgreich: dezent rockende Gitarren im Midtempo-Bereich auf einem soliden Rhythmus-Teppich, dazu prägnante Melodien und leicht verständliche aber niveauvolle Texte. Hört sich simpel an, schaffen aber in dieser bitzelnden Genialität nur die wenigsten. Und deswegen mögen wir die Go-Betweens ja auch so.
Und selbst wenn es balladesk wird, muss man hier vor Peinlichkeit nicht unter den Teppich kriechen. Die große Kunst der dramatisch-lyrischen Performance besteht eben darin, gefühlvollen Ausdruck nicht mit albernem Glibber zuzukleistern, sondern den ehrlichen Romantiker in einem zu wecken. Und auf diesem Gebiet sind die australischen Zwischengeher ja schon immer weit vorne gewesen. Und wenn sie für „Darlinghurst Nights” eigens einen kompletten Bläser-Vierer anheueren, dann dient dies nur dem Zweck, den wehmütigen Rückblick in diesem Song dramaturgisch auf die Spitze zu treiben. Crescendo furioso. Aber wie gesagt, nach 40 Minuten fällt der Vorhang leider. Wer jedoch Glück hat, ergattert ein Exemplar der limitierten Erstauflage. Die enthält noch fünf weitere Songs, die im Sommer 2004 live im schnieken Barbican Center zu London aufgenommen wurden. Und dann passt’s mit der Länge wieder.

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