Neue Platten

John Scofield - Piety Street

Genre: Blues/Jazz
Label:Sco Biz/Emarcy (Universal)
CD, VÖ: - 20.03.2009

„Ich wollte schon seit Ewigkeiten ein Blues-Projekt durchziehen” sprach Jazz-Gitarrist John Scofield und setzte diesen Wunsch postwendend in die Tat um. Eine göttliche Eingebung für das Plattencover war auch schnell bei der Hand. Auf „Piety Street” begegnen wir Scofield und seinen Jüngern als kitschige Propheten mit Heiligenschein und flammendem Herz, aufgedruckt auf Votivkerzen. Blasphemie oder Überzeugungstat? Bei Jazzern weiß man das nie so genau. Das mit dem Blues- und Gospelalbum meinte Scofield allerdings wohl schon sehr ernst, denn diese 13 Tracks sprechen eine eindeutige Sprache. Weg vom kopflastigen Intellekto-Image hin zu den Wurzeln der schwarzen Seelenmusik. Dass dies allerdings dann doch kein reinrassiges Mississippi-Delta-Album wurde, liegt vermutlich wieder an der Sichtweise eines mit allen Wassern gewaschenen Jazz-Musikers begründet, der den Blues nicht einfach Blues sein lassen kann, sondern diesen Musikstil nach allen Richtungen hin und nach persönlichem Ermessen zu erweitern sucht. So vermengt Scofield den Blues mit Swingbop, streut etwas Reggae ein, versetzt einen Shuffle-Groove mit Wah-wah-Effekten, kreuzt New Orleans mit Dixie, Country sowie Jazz und ändert Gospel-Hamonien in stramme Uptempo-Beats. Seine ihn begleitenden Musiker (Gesang, Keyboards und Perkussion) sind alle in den Südstaaten zuhause, stammen aus dem Funk-, Rock- und Pop-Umfeld und geben der CD einen satten, erdigen Unterbau. Trotzdem klingt alles schon ein wenig hausbacken und oldie-mäßig. Eine besonders hippe Platte hat Scofield somit nicht abgeliefert. Vielmehr outet er sich als ein konservativer Zeitgenosse, der schon immer mal in der Mottenkiste seiner Erinnerungen kramen wollte und nun etabliert und im vorgerückten Alter endlich die Muße und die Traute gefunden hat, dies ausgiebig zu tun.

www.johnscofield.com