Neue Platten

Orient Expressions - Record of Broken Hearts

Genre: Oriental
Label:Doublemoon (Rough Trade)
CD; VÖ - 20.03.2009

Ein neues Album, auf dem wieder mal der vielbeschworene Brückenschlag zwischen Orient und Okzident, zwischen Zwiebelturm und Minarett, zwischen Kreuz und Halbmond, zwischen Wein- und Teestube, thematisiert wird, muss heutzutage mit einem schicken und besonderen Thema aufwarten, um sich positiv vom Rest des Angebots abzuheben. Die Musiker von Orient Expressions hatten sich ja bereits einen diesbezüglichen Bonus erarbeitet, indem nämlich ihre Hymne an die Stadt am Goldenen Horn „Istanbul 1:26 a.m.” durch den türkisch/deutschen Kultregisseur Fatih Akin geadelt und für kinotauglich befunden wurde. Auf diesen Lorbeeren kann man sich aber natürlich nicht ewig ausruhen und deswegen haben sich die drei Türken und ihr amerikanischer Kollege nun des goldenen Zeitalters erinnert, als in den 60er und 70er Jahren die türkische Filmindustrie ihre Großzeit hatte, die Melodien noch aufregend und aufwühlend waren und die Stimme von Zeki Müren das Maß aller Dinge. Ein guter Aufhänger also, dem man zwar nicht 100%ig, aber doch größtenteils recht ansprechend gerecht werden kann. Verblichene türkische Populärmusik wurde immer wieder als Ideengeber mit in die Kompositionen eingewoben und so entstand ein Album, das einerseits sehr melodiös und unaufgeregt dem Geist vergangener Zeiten nachhängt, andererseits aber auch einen klaren Bezug zur Jetztzeit nicht verleugnen kann und will. Elektro-Saz, Duduk, Klarinette, Streicher und dezente Perkussion sorgen für orientalischen Charme, tiefe Bässe, DJ-Gimmicks, Beatbox und Gastsängerin Jhelisa spannen eine Brücke zur westlichen Klubkultur. Orient Expressions beweisen einmal mehr, dass es neben dem ganzen billigen Türken-la-la auch durchaus anspruchsvolles Sound-Design aus dem osmanischen Reich gibt.

www.orient-expressions.info