Neue Platten

Ulman - Electrokustica

Genre: WorldBeats
Label:Westpark (Indigo)
CD, VÖ: - 06.03.2009

Wir ordnen sie unter „WorldBeats” ein, andere nennen es „Folk Freestyle”. Was die vier Leipziger auf Electrokustica da von sich geben, ist in der Tat ein musikalisches Auffangbecken für allerlei Exotisches. Zu einer ungewöhnlichen Besetzung mit Akkordeon, Bratsche, Drehleier, Flöte und Posaune als den instrumentalen Grundpfeilern gesellen sich noch deftiges Rockschlagzeug und digitales Sampling sowie ein vielstimmiger Chorgesang. Die Gebrüder Ulman und ihr Drummer-Kumpel Kappenstein haben es sich zur Aufgabe gemacht, deutschen Rock, mittelalterlichen Folk, HipHop, Jazz und EthnoPop unter einen Hut zu bringen. Ein bißchen viel auf einmal, und vielleicht auch etwas zu überambitioniert. Denn leider hat man nur allzu oft den Eindruck, dass der kreative Output in ein heilloses Durcheinander ausfasert. Zum einen sind da die Vokalsätze, die dank der Produzentennachsorge von Marlon Klein (Dissidenten) zwar recht harmonisch abgemischt und angenehm fürs Ohr rüberkommen, aber leider auch sehr nach altbackenem 70er Jahre-Pop klingen. Zum anderen kommt deutscher Rap, erst recht wenn er in einem Kontext aus fusslahmem Xavier Naidoo und poetischem Minnesang inszeniert wird, etwas befremdlich daher. Auch der Blockflöten-Rock und norwegischer Troll-Singsang auf einem Drum & Bass-Fundament verlangt dem Zuhörer schon einiges an Toleranz ab. Wenn sich dann auch noch wie auf „Diegos Polska”schräges Drehleier-Gequieke, gesägte Bratsche, ungelenker Rumpelrock und Yes-ähnlicher Chor-Gesang Bahn brechen, steht der Griff zur Auswurf-Taste kurz bevor, das Ohr – es schmerzt. Da wird versucht, etwas zusammenzunageln, was noch nie so recht zusammen gepasst hat und was auch nie – auch nicht durch „nassforsche Crossover-Dynamik”– zusammenpassen wird.

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