Neue Platten

Ivo Papasov - Dance of the Falcon

Genre: Balkan
Label:Messechina Music (Harmonia Mundi)
CD, VÖ: - 13.03.2009

Klarinettisten-Derwische gibt es nicht sehr viele. Schon gar nicht vom Kaliber eines Ivo Papasov. Der türkische Bulgare aus Kardzhali gehört zu den wenigen Gypsy-Musikern, die der Versuchung widerstehen konnten, die traditionelle Musik, speziell die, die schon immer auf Hochzeiten gespielt wurde, mit moderner Elektronik zu vergewaltigen. Als Angehöriger einer unerwünschten Minderheit wurde er während der sozialistischen Ära in Bulgarien ins Gefängnis gesteckt, änderte später seinen türkischen Namen Ibrahim in Ivo und verdingte sich lange Jahre als Musiker, der Hochzeitsgesellschaften beschallte. Eine im Laufe der Zeit immer brotloser werdene Kunst, denn billige Keyboarder machen dieser Musik langsam aber sicher den Garaus. Dennoch hielt Papasov sich und seine „Wedding Band” trickreich über Wasser und selbst solche Freaks wie Frank Zappa oder Steve Vai bekundeten mehrfach ihren Respekt gegenüber dem bulgarischen „Hochzeitsmusiker”. 2005 dann endlich wurde er durch den BBC Radio3 World Music Award von der westlichen Welt in den Adelsstand erhoben. Zweifelsohne ein Schub für Papasov’s kreativen Output und internationale Karriere zugleich. Seine letzte CD „Fairground” liegt bereits gute fünf Jahre zurück. Mit „Dance of the Falcon” erfüllt sich Ivo Papasov nun endlich auch einen alten Traum, nämlich Stücke aufzunehmen, die die Seele „seines Volkes” wiederspiegeln. Papasov erzählt acht Geschichten und spielt die dazugehörige Musik dazu. Freie Improvisationen auf der Basis von traditioneller bulgarisch-türkischer Tanzmusik, unendlich flink und enorm emotional. Aber auch seine Jugendliebe, der rosarote Panther von Henry Mancini, wird von Papasov mühelos in ein orientalisches Rhythmusgewitter transformiert, ein auf Hochzeiten immer wieder gefordertes Kunststückchen. Papasov kramt in Erinnerungen und wir haben das Glück, daran teilhaben zu können. Seine Performance zwischen ausgelassener Gypsy-Energie und virtuoser Jazzyness ist eins ums andere mal imposant.

www.ivopapasov.com