Neue Platten

Staff Benda Bilili - Très Très Fort

Genre: Afrika/Kongo
Label:Crammed Discs (Indigo)
CD, VÖ: - 20.03.2009

Die sogenannten Oppinionleader der großen Weltmusik-Gemeinde geraten immer dann ganz besonders aus dem Häuschen, wenn es ein Label mal wieder geschafft hat, etwas Super-Spezielles ausgegraben und an Land gezogen zu haben, das es zu vermarkten gilt. Die belgische Firma Crammed-Discs hatte diesbezüglich schon des öfteren in der Vergangenheit ein glückliches Händchen und mit der Band „Staff Benda Bilili” ist es ihr erneut gelungen, der breiten Musiköffentlichkeit ein Schmankerl vorzustellen, das skurriler kaum sein kann. Es handelt sich knapp gesagt um eine Gruppe querschnittsgelähmter Musiker, die im und um den Zoo von Kinshasa leben, sich als die wahren „Journalisten” vor Ort betrachten und eine ziemlich abgedrehte Musik machen. Quasi eine „Station 17” auf kongolesisch. Im Klartext heißt das: sieben autodidaktische Musiker, an selbstgebastelte motorisierte Rollstühle gefesselt, spielen einen afrikanischen Blues-Soul-Funk-Rumba-Cocktail, eine elektrisierende Mischung aus Trance- und Straßenmusik, aus quirligem Kongo-Goove und afrokubanischen Balladen. Thema ist alles, was den kleinen Mann auf der Straße angeht. Etwas genauer betrachtet setzt sich die Truppe aus folgenden Mitgliedern zusammen: Ricky Likabu ist der Kopf, Gründer und Leadsänger der Gruppe, 55 Jahre alt und ein mit allen Wassern gewaschener Energiebolzen. Er wird unterstützt von weiteren sechs Sängern in Motor-Rollstühlen, die zudem so gut es geht, Gitarren, Bass und Perkussion bedienen sowie um einem 17 jährigen nicht-behinderten Youngster, einem Protégé von Ricky, der sich als atemberaubender Solo-Künstler an der „Satongé” hervortut, einer selbstgebastelten Ein-Saiten-„Gitarre“, ähnlich einer brasilianischen Berimbau, nur besteht der Resonanzkörper hier aus einer alte Milchdose und der Sound ist sehr viel prägnanter. Die Aufnahmen entstanden vorwiegend unter freiem Himmel, mit einem Dutzend Mikrofonen und einem Laptop, dessen Saft man mittels eines 100m Verlängerungskabels von einem nahe gelegenen Kiosk abgezapft hat. Sehr abgefahrene Sache also, und mit das Baste, was man derzeit an authentischer afrikanischer Musik bekommen kann.

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