Neue Platten

Brink Man Ship - Willisau

Genre: Elektronik/Jazz
Label:Unit Records (Alive)
CD, VÖ: - 10.04.2009

Mitten im Schweizer Urland zwischen Bern und Zürich liegt das kleine Willisau und wartet jedes Jahr zur gleichen Zeit auf Ausländer. Auf Gäste, die das lokale Jazzfestival bevölkern mögen. Und das tun sie nun schon seit über 30 Jahren. Sehr konstant und unermütlich im übrigen, wie der Kenner weiss, denn das Jazzfest Willisau zählt zu den angesagtesten Locations, wenn es um das Entdecken neuer Kräfte oder um das Gewahrwerden neuer Strömungen geht, die jenseits ausgefurchter Bahnen stehen. Ein Aus- und Inländer gleichermassen und zudem noch einer der angesagtesten Köpfe des Kreativgenres zwischen Elektronik und Jazz ist der in Kamerun geborene und in Bern lebende Jan Galega Brönnimann mit seinem Projekt „Brink Man Ship”, ein Musiker am Rande des Abgrunds, um der Übersetzung dieses Idioms auf den Grund zu gehen. 2007 zu Gast in Willisau und außerdem angetreten, sein Konzert auch gleich mitschneiden zu lassen. Brönnimann, ein begnadeter Querdenker und -spieler zwischen Klubmusik, DJ-ing und Avantgarde-Jazz, ein multipler Musiker, der mit Programming und Sampling genauso wenig Probleme hat, wie mit seinen Handwerkzeugen: dem Saxophon oder der Kontrabass-Klarinette. Sein Aktionsradius ähnelt dem seines Franko-Schweizer Musiker-Kollegen Erik Truffaz und trotzdem trennen beide Welten. Wo bei Truffaz letztendlich die Jazztradition überwiegt, wandelt Jan Galega Brönnimann im weiten Raum der hypnotischen Atmosphäre und malt Klangbilder, die an Reliefarbeiten, flirrendes Nordlicht oder an eine stampfende Maschinenhalle erinnern. Zu seinen Gästen zählt auf dieser CD der Urvater der unterkühlten Trompete, Nils Petter Molvær, der diesem Konzert seinen unverwechselbaren Stempel aufdrückt. Ebenfalls unverzichtbarer Teil dieser gelungenen Synthese: der Rap-Poet Nya, der immer dann in Aktion tritt, wenn das Tempo auf strammes Dancefloorniveau anzieht. Ein Album, das gewiss den Jazz-Traditionalisten ordentlich verprellt, dafür aber die musikalischen Klangwissenschaftler unter uns in höchstem Maße entzücken dürfte.

www.brinkmanship.ch