Neue Platten

Kimmo Pohjonen & Eric Echampard - Uumen

Genre: Alternative Accordeon
Label:Westpark (Indigo)
CD, VÖ: - 02.05.2005

Wer Akkordeon sagt, meint im allgemeinen ein von Landler über Folk bis Tango eingesetztes Schifferklavier, das zwar mittlerweile schon viel von seinem angestaubten Image als behäbiges Spießerinstrument verloren hat, aber immer noch landauf landab einer mehr oder weniger konventionellen Spieltechnik unterliegt. Schon seit gut 5 Jahren hat der Finne Kimmo Pohjonen für sich nun diese Grenzen in geradezu überdimensionaler Weise ausgeweitet und den altehrwürdigen Blasebalg in ein Avant-Garde-Instrument verwandelt, das mit allerhand Elektronik und noch mehr Experimentierfreude gekoppelt, manchmal nur noch im Aussehen an ein Akkordeon erinnert. Seine Soloaufführungen, die Projekte Animator, Kluster oder Kalmuk gehören allesamt in den Bereich multimedialer Zukunftsmusik, bei der das Akkordeon zwar immer noch die zentrale Rolle spielt, der erzielte Sound jedoch meilenweit von allem abweicht, was man bis dato kannte. Da bewegte sich Pohjonen in klaustrophobisch gesampelten Soundscapes, kreuzte durch mehrfach geloopte Perkussionsebenen, agierte auf der Bühne wie ein hyperaktiver Derwisch und bediente sich dabei einer verkabelten Fußpedalerie, wie sie normalerweise sonst nur exaltierte Rockgitarristen verwenden.
Und auch sein neuestes Werk „Uumen” liegt wieder genau in diesem Fahrwasser, zündet jedoch dank der Mitwirkung des französischen Improvisationsdrummers Eric Echampard noch einen zusätzlichen Treibsatz an brachialer Urwüchsigkeit. Grollende Unwetter ziehen da herauf, verdichten sich zu apokalyptischem Drum-Gepoltere, lösen sich urplötzlich auf, machen Platz für vorbeifliegende Sprachfetzen und ein filigranes Mosaik aus feinmotorischer Perkussion. Dazu gesellt sich zirpende bis röchelnde Akkordeon-Arbeit, die in ihrer Kleinteiligkeit manchmal an die Vorgänge in einem Ameisenhaufen erinnert und dann bricht der Vulkan aus Akkordeon und Schlagzeug erneut aus. So geschehen letzten März im Kulturhaus im französischen Amiens, wo dieses Live-Album aufgenommen wurde. Wer bisher geglaubt hat, es gebe keine Steigerungen mehr auf Pohjonens Energieskala, der blase sich diesen phänomenalen Konzertmitschnitt durch die Gehirnwindungen. Er wird überrascht sein.

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