Neue Platten

Seun Kuti - Many Things

Genre: Afrobeat
Label:Tôt Ou Tard (Out Here Records)
CD, VÖ: - 08.05.2009

Bisher war im Zusammenhang mit der legitimen Nachfolge des großen Afrobeat-Meisters Fela Kuti ja immer nur die Rede von seinem Sohn Femi gewesen. Um so erstaunter muss man feststellen, dass nun plötzlich ein weiterer Sohn Fela Anikulapo Kutis (der ja bekanntermaßen kein Frauenverächter war), auf der Weltmusikbühne in Erscheinung tritt und noch weitaus deckungsgleicher als sein Bruder Femi das Afrobeat-Erbe des Vaters propagiert. Seun Kuti, mittlerweile Ende 30, holte nämlich die ehemalige Backingband seines Vater „Egypt 80” (oder was nach dem Tod Felas 1997 davon übrig blieb) nun wieder aus der Versenkung und zelebriert mit „Many Things” in frappierender 1:1-Manier den Afrobeat, wie man ihn aus den 70ern und 80ern her kennt. Während der ältere Bruder Femi sich mit seiner „Positive Force” ja doch in gewisser Weise von den Fußstapfen seines Vaters etwas distanziert hat und eigene Wege geht, setzt der jüngere Seun nun voll und ganz auf das Erbe seines alten Herrn. Deswegen passen auch nur gerade mal 7 Tracks auf diese CD, denn was ein guter Afrobeat-Titel ist, begnügt der sich kaum mit einer Spielzeit von unter 6 Minuten. Live kann sich das noch locker verdoppeln. Politisch stehen die beiden Kuti-Brüder auf der gleichen Stufe: Beide prangern die desaströse Lage Afrikas und die Unfähigkeit der Politiker an, damit fertig zu werden. Seun Kuti nimmt kein Blatt vor den Mund: „Don’t give that shit to me” lautet der Titel einer seiner Songs, die so ungestüm, kraftvoll und unmissverständlich rüberkommen, als wäre Fela von den Toten wieder auferstanden. Auch wenn man als Aussenstehender nur schwer beurteilen kann, wie der Konkurrenzkampf der beiden Brüder nun wirklich zu beurteilen ist, muss man nach dem Durchhören von „Many Things” feststellen, dass sich beide, jeder auf seine Weise, um das Verdienst des Vaters sehr verdient gemacht haben.

www.totoutard.com