Neue Platten

Timid Tiger - Timid Tiger & A Pile Of Pipers

Genre: Indie Pop
Label:HighCat / L’Age D’Or (Lado / Rough Trade)
CD, VÖ: - 02.05.2005

Wenn sich der schüchterne Tiger weiterhin so doll anstrengt, könnte er durchaus ein Großer werden. Vielleicht nicht sogleich erkennbar, so ist doch der angedeutete Vergleich zu „They Might Be Giants” durchaus gewollt. Timid Tiger aus Köln arbeiten nämlich ziemlich spurgenau im Fahrwasser der beiden Amis. Und das bedeutet Fröhlich-Pop, verstärkte Tanzflur-Aktivitäten und der berühmt-berüchtigte Hookline-Faktor, der einen überallhin mitverfolgt. Weitere Parallelen: in der Kürze liegt die Würze (12 Songs in gerade mal 35 Minuten), es gibt eine Vielzahl instrumentaler Spitzfindigkeiten und die Liebe zur cartoonisierten Lebensphilosophie, die einem einem sofort ins Auge fällt, denn das Cover und selbstverständlich auch das Booklet sind das Werk des Zeichenspezialisten Klaus Cornfield und zeigen den kleinen putzigen Tiger bei allen möglichen Betätigungen wie E-Gitarre zerlegen, Beißerchen putzen oder Sonnenuntergang gucken.
Mit anderen Worten: das Debut-Album der Köll’schen Fünf ist ein einziger Wonneproppen. Synthies fiepen, Orgeln schwurbeln, Gitarren schrammeln und die Snare knattert. Multifunktional einsetzbar (Feld, Wald, Wiese, iPod) und komplett ohne Peinlichkeitsaussetzer. IndiePop aus bestem Hause. Da tut es auch kaum etwas zur Sache, daß sich der Letztjahres-Ohrwurm „Miss Murray” wieder mit draufgeschmuggelt hat. Im Gegenteil – die Dame hat jetzt ein paar neue Freundinnen mehr gefunden: „Miss Robot” zum Beispiel, die als lustig pfeifende Ilse Werner durch die Gegend doingt, oder gar einen ganzen Stall voller „Ladybirds & Ladygirls”, die im rhythmischen Stechschritt durch die Gehörgänge hüpfen.
Da kann man den Phillipp Boa schon verstehen, wenn er diese Band als Tour-Partner angeheuert hat. Mit einem Timid Tiger im Vorprogramm stehen die Signale ganz automatisch auf „Lass ma laufen”. Es gibt ihn also noch den ungekünstelten, unvernebelten Indierock von Poppens Gnaden, den man selbst seiner Oma noch unterjubeln kann, weil die dann ihren Krückstock endlich mal sinnvoll einsetzen kann, nämlich zum Taktklopfen. Kompliment also nach Köln: weiter so und Giants werden.

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